Sie sind Zeugnisse dessen, was die Philosophin Hannah Arendt „Banalität des Bösen” nannte: die Bilddokumente aus dem Konzentrationslagerkomplex Flossenbürg, die Jörg Skriebeleit im Pressather Pfarrsaal den 65 Besuchern seines Vortrags „Inszenierung, Schnappschuss, Dokumentation” für den Heimatpflegebund Pressath zeigte und erläuterte. „Erschütternd” sei, „wie sichtbar die Verbrechen waren”, urteilte der Historiker und Leiter der KZ-Gedenkstätte: Man habe in dem von Ausbeutung und Gewalt geprägten Lagergeschehen offenbar „nichts gesehen, was man verstecken muss”.
Das sei so weit gegangen, dass um 1940 mitten in Flossenbürg ein im idyllischen Stil altbayerischer hölzerner Wanderpfad-Wegweiser gehaltenes Hinweisschild die Richtung „zum Konzentrationslager” angezeigt habe. Vier schmückende Holzfiguren hätten zynisch-klischeehaft für verschiedene „Verbrechertypen” gestanden und das Bild eines fast harmlosen Lagerlebens vorgespiegelt, ein öffentlich zugänglicher Weg habe einen entfernten Blick auf den Steinbruch gestattet, wo die Häftlinge zermürbende Schwerarbeit für die gleichermaßen „als Terrororganisation und Terrorkonzern” agierende SS hätten leisten müssen: „Aus der Ferne sah das wie ein Ameisenhaufen aus.”
Erhalten geblieben seien auch Lageralltags- und Familienbilder von Bediensteten sowie gezielt inszenierte Propagandabilder. Doch müsse derlei Fotomaterial sorgfältig quellenkritisch geprüft werden: Als Beispiel hatte der Geschichtswissenschaftler ein Bild aus einer Serie mitgebracht, die als Dokumentation der Erhängung eines Lagerhäftlings gegolten hatte. Nach eingehender Untersuchung wisse man aber nun, dass sie die 1941 in Michelsneukirchen bei Cham vollzogene Hinrichtung eines polnischen Zwangsarbeiters zeigte, der verbotenerweise eine Liebesbeziehung mit einer Deutschen angeknüpft habe. Ein Bezug zu Flossenbürg sei dennoch gegeben, denn es sei ein mobiles Exekutionskommando aus dem Lager gewesen, das das Todesurteil vollstreckt habe.