War Speinshart vor 1000 Jahren Standort eines Wachtturms? Dr. Wolfgang Janka hält es für möglich, dass der Ortsname auf ein althochdeutsches Wort „spëhin” zurückgeht, das „Späher” bedeutet. In seinem Vortrag für den Heimatpflegebund Pressath untermauerte der renommierte Regensburger Historiker und Ortsnamenforscher seine Hypothese anhand von Quellenbelegen und mundartlichen Namensvarianten.
„'Speinshart' könnte einen in einem Weidewald gelegenen Ort bezeichnet haben, auf dem jemand saß, der im Auftrag eines Landes- oder Grundherrn Ausschau hielt”, präzisierte der Wissenschaftler für die rund 50 Zuhörer im Pfarrsaal seine Annahme. Möglich sei aber auch, dass der Ortsname auf eine Person zurückgehe, die lediglich den Übernamen „Spëhin” geführt habe. Ein Erklärungsversuch, der die Benennung auf einen Personennamen „Spegin” zurückführe, sei wohl irrig: „Die Lautfolge -egikann sich nicht zu -ai- oder mundartlich -oiabgeschliffen haben.” Sprachlich wie sachlich vollends abwegig sei die früher oft angeführte Ableitung von „Spehteshart” („Spechtwald”): Längst sei geklärt, dass sich die entsprechende mittelalterliche Quelle auf den Spessart beziehe.
In ähnlich findiger Weise leitete Wolfgang Janka zahlreiche Ortsbezeichnungen des Kulmgebietes ab. Historische Quellen und mundartliche Namensformen, so der Experte, spiegelten sprachliche Entwicklungen wider und korrigierten oft Fehldeutungen, die in die heutigen amtlichen Namensformen eingegangen seien. So suggerierten „Preißach” und „Vorbach” einen von vornherein nicht gegebenen Bezug zu fließenden Gewässern: Die auf slavische Sprachen zurückgehenden ursprünglichen Endungen -ein oder -en hätten sich zu -a abgeschliffen, was frühneuzeitliche Kanzleischreiber als unbefriedigend empfunden und zu -ach überkorrigiert hätten. Dokumentiert seien diese und mehr als 6400 weitere bayerische Ortsnamen in einer unter geschichte-bayerns.de/ortsnamen frei zugänglichen Datenbank der Kommission für bayerische Landesgeschichte.