Zahlreiche Besucher begrüßte der Heimatverein Eschenbach zum Begleitvortrag der Sonderausstellung „Barackenleben – Reichsarbeitsdienst& Flüchtlingslager Eschenbach” im Museum Beim Taubnschuster. Referent Dr. Lorenz Burger stellte die Geschichte der Baracke als Bauform vor.
Die transportable Baracke entstand bereits im späten 19. Jahrhundert. Mit der zunehmenden Mobilität der Kriegführung und dem Ausbau des Eisenbahnnetzes wurden schnell errichtbare, standardisierte Gebäude benötigt, die sich zerlegen und andernorts wieder aufbauen ließen. Früh spielte diese Bauweise auch in der Region eine Rolle: Auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr entstand bereits 1914 das größte Kriegsgefangenenlager Bayerns mit zehntausenden Gefangenen in Stall- und Holzbaracken.
Im Nationalsozialismus wurde der Barackenbau schließlich perfektioniert. Burger erläuterte, wie die FOKORAD standardisierte Typen für den Reichsarbeitsdienst entwickelte. Die genormten Baracken konnten nach dem Baukastenprinzip zu vollständigen Lageranlagen mit Wohn-, Wirtschafts-, Kranken- und Sanitärgebäuden zusammengesetzt werden. Viele dieser Bauprinzipien fanden später auch in Kriegsgefangenen-, Zwangsarbeiter- und Konzentrationslagern Anwendung.
Nach 1945 erhielten zahlreiche Baracken neue Aufgaben. Wegen der großen Wohnungsnot dienten sie als Unterkünfte für Flüchtlinge und Vertriebene, aber auch als Kirchen, Schulen, Werkstätten oder Handwerksbetriebe. Auch Eschenbach kennt solche Beispiele: Eine ehemalige RAD-Baracke wurde als evangelische Notkirche genutzt, der Vorläufer des Gymnasiums war zunächst in Baracken untergebracht, und die Familie Hermann baute in einer umgesetzten Baracke ihre Schreinerei auf.
Zum Abschluss zog Burger einen Vergleich zur Gegenwart: Container und Tiny Houses seien gewissermaßen die modernen Nachfahren der historischen Baracke. Die angeregte Diskussion zeigte das große Interesse der Besucher an diesem oft übersehenen Kapitel der Regional- und Zeitgeschichte.