Teilnehmer der Kulturreise der Tutzing-Freunde Weiden (Bild: Siegfried Bühner)

Studienfahrt zum weltberühmten Coburger Adel

Weil das Herzoghaus Coburg große Teile der europäischen Geschichte prägte, lud der Freundeskreis Weiden der Evangelischen Akademie Tutzing zu einer Studienfahrt nach Coburg ein. Das Interesse war groß, rasch war die Reise ausgebucht und bei der Rückkehr nach Weiden am Abend gab es sehr viel Lob für die Organisatoren Dr. Uta Doenitz, Professor Dr. Dieter Doenitz und Dr. Ehrenfried Lachmann, Sprecher des Freundeskreises. Auch die hohen Hitzetemperaturen hielten die Teilnehmer nicht davon ab, tief in die Geschichte der Coburger Adelsgeschlechter einzutauchen und sich mit historischen Geschehnissen zu befassen, die in der Öffentlichkeit oftmals viel zu wenig bekannt sind. In Führungen durch Schloss Ehrenburg und die Coburger Altstadt sowie in der Veste Coburg zeigten anschaulich, welche enorme Rolle Coburger Adelsgeschlechter in der Europäischen Geschichte spielten. Coburg war Residenz von Herzzögen des ehemaligen Herzogtums von Sachsen-Coburg und Gotha. Die Liste bekannter und großer Herrscherdynastien, die alle ihre Wurzeln im Coburger Herzoghaus haben, ist fast unendlich lang. Sie beginnen beim englischen Königshaus mit Königin Viktoria, über Mitglieder der russischen Zarenfamilie bis hin zum Deutschen Kaiserhaus. Folge einer geschickten Heiratspolitik führte dazu, dass Königshäuser vieler europäischer Staaten, wie zum Beispiel Dänemark, Schweden, Spanien und Griechenland durch Kinder und Kindeskinder des Coburger Herzoggeschlechts geprägt wurden. Die Reiseteilnehmer haben auch gesehen, dass berühmte Persönlichkeiten wie Martin Luther, Johann Strauß, Lucas Cranach d. Ä. und Friedrich Rückert in Coburg bleibende Spuren hinterlassen haben. Die Fülle vielfältiger Eindrücke und Erfahrungen dieses Tages wird lange in Erinnerung bleiben.
Kirchengeschichte-Experte Dr. Markus Lommer beim Vortrag bei den Tutzing-Freunden (Bild: Siegfried Bühner)

Vortrag zur Reformationsgeschichte der Oberpfalz

„Wie geht es weiter, haben wir noch eine Chance als Kirche?“ fragte der Experte für Kirchengeschichte der Oberpfalz, Dr. Markus Lommer, am Ende seines Vortrags. Und er ergänzte „Vielleicht können wir aus der Vergangenheit lernen“. Welche Zeit er damit ansprach, konnte der Überschrift des Vortrags entnommen werden. „Von der Reformation über das Simultaneum zur Ökumene“ lautete diese. Eingeladen hatte der Freundeskreis Weiden der Evangelischen Akademie Tutzing. Drei historische Phasen der regionalen Kirchengeschichte wurden beschrieben. Zunächst ging es um die Geschehnisse in der Zeit unmittelbar nach Reformationsbeginn im Jahre 1517. „Die Stadt Weiden war Vorreiterstadt der Reformation“ stellte Dr. Lommer fest. Schon im Jahre 1523 wurde der Lutherschüler Johannes Freisleben vom Stadtrat als Stadtprediger berufen. Unter anderem habe dieser dort die Schrift „Salve Regina“ als „Marienkult“ kritisiert und umgeschrieben. Später sei es dann auch in Nabburg zwischen Freisleben und dem dortigen Pfarrer „während eines laufenden Gottesdienstes zum offenen Streit gekommen“ berichtete Dr. Lommer. Ausführlich thematisiert wurde dann im Vortrag das Simultaneum als „friedliches Zusammenleben der Religionen“. Es entstand gut einhundert Jahre nach dem Reformationsausbruch und beinhaltete gemeinsam von den örtlichen Religionsgemeinschaften genutzte Kirchen, Pfarr- und Friedhöfe sowie untereinander geteilte Gebäude und Grundstücke. Mit dem „Sulzbacher Simultaneum“ von 1652 hat Pfalzgraf Christian August ein wegweisendes Modell religiöser Toleranzpolitik im Fürstentum Pfalz-Sulzbach geschaffen, berichtet Dr. Lommer. Alle Glaubensrichtungen wurden geduldet. „Unsere Gegend hatte eine Vorreiterrolle in Europa“ betonte Dr. Lommer „Aber hier gab es keine Hexenprozesse“ freute sich der Referent. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hätten die meisten Kirchen und Einrichtungen des Simultaneums Bestand gehabt. „Elf bestehen noch heute, zum Beispiel in Altenstadt bei Vohenstrauß und in Wildenreuth“. Im „Förderverein Simultankirchen in der Oberpfalz“ und dem von diesem aufgebauten Simultankirchen-Radweg sieht Dr. Lommer ein „ganzheitliches Projekt, das die Konfessionen wieder zusammenführen soll.“ Dies hält der Referent auch für notwendig, denn die Auflösung der Simultankirchen habe nur wenig zu einer ökumenischen Bewegung beigetragen. Deswegen konnten im Vortrag auch nur Einzelbeispiele ökumenischer Aktivitäten wie örtliche ökumenische Gottesdienste oder die gemeinsame Fronleichnamsprozession in Sulzbach-Rosenberg genannt werden. Auf die Frage, wie es mit den Kirchen und auch mit deren finanziellen Problemen weitergehe, empfiehlt Dr. Lommer „wir müssen immer mehr über Brücken gehen. Vielleicht ist die Idee der Simultankirchen auch eine Idee für heute“.
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