Nachdem die Obsternte im vergangenen Jahr besonders ertragreich ausgefallen war, lud der Gartenbau- und Ortsverschönerungsverein Neunaigen vor wenigen Tagen zu einem Informationsabend über besondere Verwertungsmöglichkeiten ein – im Fokus stand dabei die hochprozentige Veredelung des Obstes.
Durch den Abend führten Monika Hirtreiter und Maria Bernhard vom Streuobsthof Bernhard in Steinach bei Leuchtenberg, die den interessierten Zuhörern ihr Fachwissen rund um das Brennen und die Verarbeitung von Streuobst vermittelten. Begleitet wurde die Veranstaltung von einer Brotzeit, die als Unterlage für die anschließende Verkostung diente.
Anhand zahlreicher Beispielbilder und kurzer Videosequenzen erläuterten die Fachfrauen, dass die Auswahl am Anfang entscheidet: Reifegrad, Gesundheitszustand und Sorte bestimmen, ob das Obst überhaupt zur Destillation geeignet ist, denn Fehler lassen sich später kaum korrigieren. Nach der Ernte wird die Maische vorbereitet, in der der enthaltene Zucker durch Gärung in Alkohol umgewandelt wird – ein Prozess, der Zeit, Kontrolle und Erfahrung erfordert, weil Temperaturschwankungen oder Verunreinigungen das Ergebnis deutlich beeinflussen können. Bei der eigentlichen Destillation werden die flüchtigen Aromastoffe vom Wasser getrennt und konzentriert; dabei zählt weniger die Geschwindigkeit als die Präzision. Vor- und Nachlauf werden sorgfältig abgetrennt, nur das sogenannte Herzstück gelangt ins Destillat. Je nach Produkt schließt sich anschließend eine Reifung an, die dem Brand Struktur und Tiefe verleiht.
Außerdem erklärten die Referentinnen den Unterschied zwischen Brand und Likör: Während beim Brand ausschließlich destilliertes Obst zum Einsatz kommt, wird Likör aus einer Spirituose mit zusätzlichem Zucker und gegebenenfalls weiteren Aromen hergestellt. Bei der Herstellung von Likör ist die Qualität der Ausgangsfrüchte ebenso wichtig, doch das Süßen und das zusätzliche Aromatisieren machen ihn deutlich milder und süßer als einen reinen Obstbrand. 'Cuvée' bezeichnet dabei die Mischung verschiedener Destillate, um ein ausgewogenes Aroma zu erzielen – ähnlich wie beim Wein, nur dass hier unterschiedliche Obstbrände kombiniert werden.
Was am Ende im Destillatglas landet, ist weit mehr als ein alkoholisches Getränk. Es ist ein Stück Natur, eingefangen in Handwerk und Geduld – eine Erinnerung an sonnengereifte Früchte, an sorgfältige Arbeit und an die Zeit, die ein gutes Produkt braucht. Für die Familie Bernhard zählt dabei nicht die Menge, sondern die Qualität: Jeder Tropfen soll die Liebe zum Streuobst und die Leidenschaft für echtes Handwerk spürbar machen.
Der Gartenbau- und Ortsverschönerungsverein Neunaigen setzte mit dem Infoabend ein Zeichen dafür, wie wichtig die Pflege und Nutzung der Streuobstwiesen für sind – und dass aus heimischen Früchten mit Wissen und Herz etwas Besonderes entstehen kann.