Wie arbeitet das Bundesverfassungsgericht? Welche Aufgaben haben Verfassungsrichterinnen und -richter, und wie schützt das höchste deutsche Gericht den Rechtsstaat? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhielten die Schülerinnen und Schüler der 10. und 12. Klassen des Erasmus-Gymnasiums am Montag, 6. Juli 2026, bei einem informativen Vortrag von Prof. Dr. Henning Radtke, Richter am Bundesverfassungsgericht.
Schulleiterin Daniela von der Weien begrüßte dazu neben dem Referenten selbst auch den Oberbürgermeister der Stadt Amberg Michael Fritz, der der Veranstaltung durch sein Kommen einen besonderen Stellenwert gab. Dr. Toni Fickentscher, selbst Alumnus des EG, der bereits das Amberger Symposium 2026, das am Wochenende zuvor stattfand, organisiert hatte, sorgte für den Kontakt zwischen dem Verfassungsrichter und seiner ehemaligen Schule.
Zu Beginn erläuterte der Referent die Arbeitsweise des Bundesverfassungsgerichts. Als unabhängiges Verfassungsorgan wacht es über die Einhaltung des Grundgesetzes und überprüft staatliches Handeln auf seine Verfassungsmäßigkeit. Wie weitreichend seine Entscheidungen sein können, zeigte der Klimaschutz-Beschluss vom 24. März 2021. Damals verpflichtete das Gericht den Gesetzgeber, den Klimaschutz so auszugestalten, dass Freiheitsrechte künftiger Generationen besser gewahrt werden.
Ein weiteres Thema war die oft lange Dauer verfassungsgerichtlicher Verfahren. Die sorgfältige Prüfung komplexer rechtlicher Fragestellungen sowie die große Tragweite der Entscheidungen machten eine intensive Bearbeitung erforderlich. Zudem wurde die Geschäftsordnungsautonomie des Gerichts vorgestellt. Diese ermöglicht es dem Bundesverfassungsgericht, seine internen Abläufe selbst zu regeln und damit seine institutionelle Unabhängigkeit zu stärken.
Besonders anschaulich schilderte Prof. Radtke seinen Arbeitsalltag als Verfassungsrichter. Neben der Bearbeitung umfangreicher Akten, der Vorbereitung von Beratungen und der Ausarbeitung von Entscheidungen prägen wissenschaftliche Analysen und der intensive Austausch innerhalb der Senate die tägliche Arbeit.
Im Anschluss an eine intensive Fragerunde richtete Prof. Radtke seinerseits eine Frage an die Schülerinnen und Schüler: Welche Erwartungen haben sie an das Bundesverfassungsgericht? In der sich eröffnenden Diskussion wurde deutlich, dass viele das Gericht als unabhängigen Hüter des Grundgesetzes sehen, der die Staatsgewalt an Recht und Gesetz bindet und damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Demokratie leistet. Prof. Radtke bestärkte zum Schluss die Schülerinnen und Schüler darin, für die Demokratie und die rechtsstaatlichen Prinzipien einzustehen.