Geht das denn – 400 Jahre in zweieinhalb Stunden zu fassen? Es geht – wenn ein ausgewiesener Kenner und Liebhaber der Schule sowie erfahrener Performer am Werk ist: der einstige Schüler und ehemalige Schulleiter Peter Seidl.
Seidl nahm das am 3. Juli zahlreich in der Aula des Erasmus-Gymnasiums erschienene Publikum mit auf eine höchst anschauliche und spannende Reise durch die Geschichte des ältesten Gymnasiums Ambergs und der Oberpfalz. Anlass war die Präsentation der zum Jubiläum von ihm verfassten Festschrift 400 Jahre Erasmus-Gymnasium Amberg.
Die Reise begann im Jahr 1626, als die Jesuiten am heutigen Malteserplatz ihr Gymnasium gründeten, und führte durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart der Schule. Dass diese Zeitreise zwar lang, aber keineswegs langatmig wurde, war nicht nur der pointierten und lebendigen, von zahlreichen Bildern und Geschichten flankierten Vortragsweise Seidls zu verdanken, sondern auch der Musik. Denn Seidl wurde von einem eigens zu diesem Anlass gegründeten, professionell agierenden Ensemble aus aktiven Lehrkräften und ehemaligen Schülern begleitet. Passend zu den jeweiligen Epochen erklangen Werke etwa aus Barock und Romantik, aber auch Musik aus dem Film Harry Potter.
Auch der Vortragende selbst ließ es sich nicht nehmen und mutierte an einer Stelle selbst zum Musiker. Mit Western-Gitarre und Schiebermütze sang Seidl Bob Dylans „The Times They Are a-Changin“ und veranschaulichte so den gesellschaftlichen Wandel der 1960er Jahre. Der Titel dieses Songs hätte durchaus als Überschrift über dem gesamten Vortrag stehen können. Aber Seidl machte deutlich, dass es neben allen, durch die Zeitläufte bedingten Veränderungen auch Konstanten in der Institution Schule gibt: Junge Menschen blieben eben junge Menschen – daran ändere sich wenig, auch wenn sonst alles im Fluss bleibe. Im Anschluss an die Konzertlesung luden bayerische Tapas und kühle Getränke zu angeregten Gesprächen über 400 Jahre Erasmus-Gymnasium ein.