Ein leises Grollen, dichte Asche in der Luft – und plötzlich ist alles anders. Für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen. Wer am 6. Mai die Aula des Erasmus-Gymnasiums betrat, fand sich nicht mehr in der Gegenwart wieder, sondern mitten in den letzten Stunden von Pompeji. Den Auftakt gestaltete Schulleiterin Frau von der Weien – und zog ihr Publikum sofort in den Bann. Mit eindringlichen Bildern und einer packenden Erzählweise ließ sie den Untergang der antiken Stadt lebendig werden. Immer wieder kamen dabei Stimmen aus der Vergangenheit zu Wort, allen voran Plinius der Jüngere, dessen berühmte Vesuvbriefe bis heute zu den wichtigsten Quellen über die Katastrophe zählen. Doch der Blick blieb nicht in der Antike stehen. Auch die moderne Forschung fand ihren Platz: Besonders eindrucksvoll war die Darstellung der Flucht eines Mannes vor Asche, Lavaströmen und Lapilliregen – ein Bild, das erstmals mithilfe künstlicher Intelligenz rekonstruiert wurde. Unter der Leitung von Gabriel Zuchtriegel gelang es dem Forschungsteam, die letzten Momente eines Menschen auf beklemmend realistische Weise sichtbar zu machen. Im Anschluss übernahm Renate Markoff das Wort. Die ehemalige Referentin für Alte Sprachen an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen und leidenschaftliche Pompeji-Expertin führt ihr Publikum regelmäßig direkt vor Ort durch neue Ausgrabungen – und genau diese Erfahrung war ihrem Vortrag anzumerken. Zunächst richtete sie den Blick auf „Nuova Pompei“, das heutige Pompeji, eine lebendige Stadt, die keineswegs im Schatten der antiken Ruinen steht. Doch schon bald ging es zurück in die Vergangenheit: Mit einem bildgewaltigen Trailer und einer anschaulichen Karte nahm Frau Markoff die Gäste mit auf einen Rundgang durch das antike Pompeji. Vor den Augen des Publikums entstand ein lebendiges Bild der Stadt: kunstvolle Fresken wie die „Venus in der Muschel“, das Amphitheater – älter als das Kolosseum in Rom – und eine Großbäckerei, in der Equiden, pferdeartige Tiere, die Mühlsteine bewegten. Für besonders bewegende Momente sorgten „I calchi di Pompei“, die Gipsabdrücke von Menschen und Tieren, eingefroren im Moment ihres Todes. Geschichte, die unter die Haut geht. Zum Abschluss stellte Frau Markoff die wunderschönen Gärten Pompejis vor. Antike Speisen rundeten den Abend ab – darunter die erste „Pizza“, belegt mit Granatapfelkernen, Datteln, Kräutern und einer Art Pesto. Ein Abend, der zeigte: Geschichte ist nicht nur Vergangenheit – sie kann lebendig werden