Nichts ist beständiger als der Wandel: Das lernt man nicht zuletzt, wenn man einen Spaziergang durch Kemnath mit einem Besuch der Gottlieb-Scharff-Sonderausstellung im Museum in der Fronveste verbindet. Wie der 1905 geborene und 1991 verstorbene Zeichner und Maler vor etwa 100 Jahren markante Plätze seiner Heimatstadt sah und wie sie sich dem heutigen Betrachter präsentieren, führte Käthe Pühl den rund 30 Besuchern des Bildvortrags „Damals – heute – Gottlieb Scharff” im Bürgerhaus „Lenzbräu” vor Augen, zu dem der Heimatkundliche Arbeits- und Förderkreis (HAK) eingeladen hatte.
Zu den Orten im Stadtkern, die sich in den vergangenen 100 Jahren am stärksten verändert haben, zählte die Museumsmitarbeiterin den Primianusplatz. Die einstige Bebauung sei weitgehend Neubauten gewichen, die früher bis an den Platz reichende „Bucht” des Stadtweihers samt der ehedem als „Kemnather Stadtbrille” bekannten Johannisfallbrücke verfüllt und das Gefallenenmahnmal in die so entstandene Parkanlage zurückversetzt worden. Weniger einschneidend seien die Veränderungen am Cammerloherplatz gewesen, wo vor allem der Bau des Fußgängerdurchlasses im Kirchturmsockel und die Aufstockung des Bäckereigebäudes auffielen.
So gut wie unverändert habe das einstige Franziskanerkloster, Gottlieb Scharffs Elternhaus, die Jahrzehnte überdauert, wusste Käthe Pühl. Auch die Häuser am Stadtplatz, namentlich das zur Polizeiwache umgewidmete historische „Rentamt”, das ehemalige Amtsgericht und der „Bäcker-Adl” mit dem davor errichteten Brunnen, hätten großenteils ihr Erscheinungsbild der 1920er Jahre bewahrt. Zu den markanten Ausnahmen zähle das frühere „Stricknerhaus” mit dem benachbarten ehemaligen Textilhaus Högl. Zur modernen befestigten Ortsverbindungsstraße habe sich die Berndorfer Straße gewandelt, ein auf Basis der Scharff-Zeichnung KI-generiertes Farbbild lasse erahnen, wie der Künstler die Friedhofskapelle und ihr Umfeld gesehen habe.