Mit 40 bis 50 Teilnehmern hatten die Kemnather Geschichtsfreunde gerechnet – am Ende waren es über 300 Neugierige, die sich der „Stadtführung für alle” des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK) angeschlossen hatten. Von der „Stadtwache” des HAK begleitet und gesichert, zogen sie zunächst zum Cammerloherplatz, wo Liane Preininger am Pinzerbäckerhaus an Theresia Krauß alias „Pinzerbäckn Resl” erinnerte, die 1878 in die USA ausgewandert war, als Kartoffelanbauboom und Gewerbefreiheit vielen Bäckern das Leben schwer gemacht hatten.
Von den sechs Kindern Theresias und ihres Mannes Joseph Muench habe es Sohn Aloysius bis zum Bischof und kirchlicher Diplomaten gebracht und sich nach 1945 in Deutschland insbesondere der Vertriebenen aus den verlorenen „Ostgebieten” angenommen. Weitere Stationen waren das frühere Franziskanerkloster, dessen gut 140-jährige Geschichte Roland Wende als „letzter Guardian (Prior) Hildebert Mehler” nachzeichnete, und die frühere Gaststätte und Postkutschenstation „Reichsapfel”. Dort erzählte Sebastian Schwarz als „Wirt” von dem eigennützigen Kampf der Inhaber im 19. Jahrhundert gegen einen Bahnanschluss.
Am Stadtplatz beschrieben HAK-Vorsitzende Katrin Pasieka-Zapf als „Pfarrhaushälterin” und Veronika Krauß, wie Kemnath dank Pfarrer Johann Arckhauer nach 1690 einen Stadtheiligen und ein Passionsspiel erhielt. Krauß berichtete außerdem aus ihrer Familiengeschichte, die zugleich die über 450-jährige Geschichte der „Bäcker-Adl”-Bäckerei ist. Am „Einlass”, Ausgangspunkt des verheerenden Stadtbrandes von 1848, schlüpfte Anna Müller-Rösch in die Rolle der Sibylla Schiml, die sich zu einem aus dem Ruder gelaufenen Brandversicherungsbetrug hatte anstiften lassen. Letzte Stationen waren der Schmelzl-Brunnen und das Bürgerspital, wo Otto Merkl als Dichter Wolfgang Schmelzl und Pirmin Balk als Spitalstifter Christoph von Trautenberg ins 16. Jahrhundert zurückblendeten. Zum Abschluss traf man sich zum Erfrischen und Plaudern im Museumshof der Fronveste.