Keine Frage: Gottlieb Scharff war ein Meister des Zeichen- und Malfachs – davon kann sich zurzeit jeder Besucher des Museums in der Fronveste bei einer Sonderausstellung über den Kemnather Künstler ein Bild machen. Doch mit etwas Übung, einem aufmerksamen Blick und der Kenntnis einiger Grundfertigkeiten kann man auch als Anfänger Beachtliches zu Papier bringen. Was es dazu braucht, erklärten die Kunstpädagogen Rainer Sollfrank und Jennifer Zapf vier Mädchen und drei Burschen bei einem Ferienprogramm-Vormittagskurs des Heimatkundlichen Arbeits- und Förderkreises im „Musikeum” an der Trautenbergstraße.
Wie man mit einfachen technischen Mitteln Kontrast- und Perspektivwirkungen erreicht, erläuterten Rainer Sollfrank, der weit über Kemnath hinaus für sein vielseitiges bildkünstlerisches Werk bekannt ist, und Jennifer Zapf zunächst anhand verschiedenartiger zeichnerischer Darstellungen eines Würfels und später am Beispiel Scharff'scher Bildmotive. Die Illusion einer Dreidimensionalität werde mit Hilfe unterschiedlicher Strichrichtungen und -dicken oder den völligen Verzicht auf Striche bewirkt, wodurch aneinander grenzende Flächen zugleich voneinander geschieden würden. Mit Hilfe von Kreuz- oder Punktschraffuren, die keine Richtungswirkung erzeugten, werde eine Fläche „beruhigt”.
Nachdrücklich ermunterten Sollfrank und Zapf ihre neun bis 13 Jahre alten „Schüler”, beim Zeichnen schwungvoll und „nicht ängstlich” zu arbeiten und Mut zum eigenen Stil zu zeigen: „Ihr zeichnet hier ja eure Bilder, keine Bilder von Gottlieb Scharff.” Als Zeichengeräte empfahlen die Kunstlehrer außer Bleistiften auch Kugelschreiber: „Sie erlauben schnelle, schwungvolle Striche.” Abgerundet wurde der Kurs durch eine von „Musikeum”-Leiter Anton Heindl dargebotenen Kostprobe der „Musik aus einer anderen Welt”, die die dort ausgestellten zumeist mehr als 100 Jahre alten mechanischen Musikautomaten auch heute noch in beeindruckender Harmonie hervorbringen.