Am ersten Mai passieren bekanntlich die seltsamsten Dinge – aber was sich heuer zwischen den Festburschen und den Imkern abgespielt hat, hätte selbst der Zufall kaum besser inszenieren können. Alles begann mit einer klassischen Nacht-und-Nebel-Aktion: Die Festburschen, geschniegelt mit Stirnlampen und einer gehörigen Portion Abenteuerlust, schlichen sich zum Lehrbienenstand und „befreiten“ kurzerhand den Maibaum der Imker. Mit erstaunlicher Ausdauer – und vermutlich noch erstaunlicherem Orientierungssinn – trugen sie das gute Stück bis nach Eslarn. Dort nahm die Geschichte eine unerwartete Wendung. Am Straßenrand standen zufällig einige Mitglieder des Imkervereins, frisch auf dem Heimweg von der Zoiglstum, noch bestens gelaunt und hilfsbereit. Kaum wurden sie angesprochen, packten sie ohne Zögern mit an – schließlich hilft man ja gerne, wenn’s was zu tragen gibt. Gemeinsam wurde der Maibaum sicher im Hinterhof der Gaststätte Böhmerwald verstaut. Erst als alle wieder zu Atem gekommen waren, dämmerte den freiwilligen Helfern langsam die Wahrheit: „Moment mal… war das nicht unser Maibaum?“ Die Erkenntnis kam – wie so oft – ein kleines bisschen zu spät. Doch anstatt in Ärger auszubrechen, bewiesen die Imker Humor und Verhandlungsgeschick. Bei der feierlichen Rücküberstellung des Maibaums bekamen die Brauchtumsdiebe zwar eine Brotzeit zugesagt, aber einer charmanten Bitte der Imker konnten sechs Festburschen nicht widerstehen. Sie unterschrieben kurzerhand den Mitgliedsantrag des Imkervereins. So endete die Geschichte mit einem beiderseitigen Happy End: Die Festburschen bekamen eine zünftige Brotzeit und eine gute Geschichte für die nächsten Jahre – und die Imker freuten sich über tatkräftigen Nachwuchs und klingelnde Mitgliedsbeiträge.