Es war jene magische Stunde in der sogenannten Walpurgisnacht, in der selbst die Gartenzwerge anfangen zu zweifeln, ob sie wirklich festbetoniert sind: kurz nach Mitternacht zum 1. Mai. Die Nacht war mild, fast schon verdächtig freundlich – ein laues Lüftchen zog durch den Garten und diese besondere Walpurgis-Stimmung, bei der man nie genau weiß, ob gleich Hexen tanzen oder Jugendliche Unsinn treiben. Ohne Vorwarnung – und vermutlich mit strategischer Präzision geplant – marschierten plötzlich unangesagte Gäste in den Garten der Familie Merold ein. Zielobjekt: das heimische Schwimmbecken. Der Angriffstrupp, keine Geringeren als Aktive der Freiwilligen Feuerwehr Eslarn. Der abgedeckte Pool wurde kurzerhand zur Einsatzstelle erklärt. Ob ein imaginärer Brand gelöscht werden musste oder einfach nur der Durst nach einer spektakulären Maiaktion überwog, bleibt ungeklärt. Fest steht: Die nächtlichen Außentemperaturen machten das Baden zu einem wackeren Einsatz. Nach „ein paar Minuten“ und dem Erscheinen des Hausherrn war der feuchtfröhliche Einsatz schon wieder vorbei. Doch wie es sich für eine ordentliche Maibrauch-Aktion gehört, endete das Ganze nicht mit klappernden Zähnen und nassen Stiefeln. Nein – der Einsatz verlagerte sich anschließend in die Garage der Familie Merold, wo spontan ein Umtrunk stattfand. Vermutlich wurde dort anderweitig gelöscht und umso mehr gelacht. Die eigentliche Pointe dieser Geschichte liegt jedoch drei Jahre zurück. In einer früheren Walpurgisnacht war ein ähnlicher Poolbesuch groß angekündigt – und dann leider nichts geworden. Damals ließ sich Jürgen Merold zu einer folgenschweren Bemerkung hinreißen: „Ihr traut euch doch nicht.“ Ein Satz, der offenbar in den Archiven der Feuerwehr nicht gelöscht, sondern fein säuberlich abgeheftet wurde – unter der Kategorie: Langfristige Einsatzplanung. Drei Jahre später kam die Antwort. Pünktlich – Nass – Unübersehbar. So wurde aus einer leichtsinnigen Bemerkung ein feuchtfröhlicher Maibrauch, der umso mehr in den Erinnerungen aller Beteiligten bleibt. Denn eines ist klar: Wenn die Feuerwehr Eslarn feiert, dann nicht halb – sondern mit Anlauf. Und neuerdings gelegentlich auch im Pool.