Die Mitglieder vom Katholischen Frauenbund pflegen einen alten Brauch zu Mariä Himmelfahrt: Mitglieder bastelten für die Bevölkerung über 100 Kräuterbuschen und 40 Weidenherzen. Ein alter Brauch, der bis heute nichts von seiner Bedeutung verloren hat: Rund um das Fest Mariä Himmelfahrt pflegt der Katholische Frauenbund die Tradition, Blumen, Kräuter und Getreide zu sammeln, zu kunstvollen Kräuterbuschen zu binden und diese für einen guten Zweck an die Bevölkerung weiterzugeben. Was dabei entsteht, ist weit mehr als ein hübsches Gebinde – die Kräuterbüschel verbinden gelebten Glauben, überliefertes Brauchtum und das Miteinander in der Gemeinschaft.
Nach dem Sammeln und Anliefern der verschiedenen Pflanzen trafen sich Mitglieder der Vorstandschaft und des Frauenbundes im Pfarrheim St. Marien, um die Kräuter zu bündeln und die Buschen mit viel Sorgfalt zu gestalten. Bereits am Donnerstag waren Mitglieder der Vorstandschaft im Einsatz, am Freitag halfen zehn weitere Mitglieder vom Frauenbund tatkräftig mit. Gemeinsam entstanden mehr als 100 Kräuterbuschen und rund 40 kunstvoll gefertigte Weidenherzen. Die Vorstandschaft um Vorsitzende Silke Singer bedankte sich herzlich bei allen, die Blumen und Kräuter gesammelt und zur Verfügung gestellt haben, ebenso bei denjenigen, die mit ihrem Kauf die Arbeit des Frauenbundes unterstützten. „Vor allem Weidenherzen hätten wir noch mehr verkaufen können“, berichtete Singer. Einen besonderen Stellenwert erhielt die Aktion durch die kirchliche Segnung. Im Rahmen der Messfeier segnete Pfarrer Udo Klösel die Kräuterbüschel und Weidenherzen. Damit wurde sichtbar, dass sich in diesem alten Brauch Natur und Glaube auf besondere Weise begegnen. Die Kräuter stehen dabei nicht nur für die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung, sondern auch für Dankbarkeit und die Hoffnung auf Schutz und Segen.
Nach dem Gottesdienst präsentierte der Frauenbund die wohlriechenden Kräuterbuschen und bot sie der Bevölkerung zum Kauf an. Viele Menschen verbinden mit den duftenden Gebinden Erinnerungen an frühere Generationen und an eine Zeit, in der Wissen über Kräuter und überlieferte Bräuche noch selbstverständlich von einer Generation an die nächste weitergegeben wurde. Gerade im ländlichen Raum hatte der Kräuterbuschen einst auch eine ganz praktische und schützende Bedeutung. Nach der Segnung wurde er auf dem Dachboden aufgehängt oder unter dem Kopfkissen aufbewahrt – in dem Glauben, damit Mensch und Haus vor Unheil und insbesondere vor Blitzschlägen geschützt zu sein. So wurde aus den gesammelten Pflanzen ein Zeichen des Vertrauens und der Hoffnung. Heute hat sich die Bedeutung des Brauchs gewandelt, doch seine Symbolkraft ist geblieben. Die Kräuterbuschen schmücken Kreuze, finden ihren Platz in Vasen auf Tischen oder Fensterbänken und erinnern dabei an die Verbundenheit mit der Natur und an die Kraft, die Menschen seit jeher den Kräutern zuschreiben. Für viele sind sie zugleich ein Zeichen der Harmonie, der Heilung und des Segens. Vor allem aber zeigt die Aktion des Frauenbundes, dass gelebtes Brauchtum nur dann lebendig bleibt, wenn Menschen bereit sind, es gemeinsam zu tragen. Beim Sammeln, Binden, Verkaufen und Segnen begegnen sich Generationen, Fähigkeiten und Erinnerungen. So wird aus einem einfachen Kräuterbüschel ein Stück Heimat – und aus einer alten Tradition ein lebendiges Zeichen der Gemeinschaft.