In den letzten Tagen besuchten die Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen der Realschule Kemnath zusammen mit den Religionslehrern die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Weiden, um ihr im Unterricht erworbenes Wissen über das Judentum durch unmittelbare Begegnungen zu vertiefen. Unter dem Motto „Religion findet nicht nur im Klassenzimmer statt“ erhielten sie spannende Einblicke in jüdisches Leben, Geschichte und Traditionen.
Vor Ort begrüßte Werner Friedmann von der jüdischen Gemeinde Weiden die Gruppe und führte sie durch die Geschichte des jüdischen Lebens in der Region. Neben der Bedeutung der Synagoge als religiöses und gesellschaftliches Zentrum thematisierte er auch die Verfolgung jüdischer Menschen während der NS-Zeit und die Auswirkungen der Reichspogromnacht 1938. Dabei wurde den Jugendlichen eindrucksvoll vor Augen geführt, welche Folgen Ausgrenzung und Antisemitismus haben können. Ein besonderer Höhepunkt war die Besichtigung des Toraschreins mit den kunstvoll geschmückten Torarollen. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren dabei viel über jüdische Glaubenspraxis sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Judentum und Christentum.
Anschließend begab sich die Gruppe auf einen Rundgang zu ausgewählten Stolpersteinen in der Weidener Innenstadt. Stadtarchivar Dr. Sebastian Schott, Frau Ascherl (Autorin des Buchs „Jüdische Familien – Geschichte hinter den Stolpersteinen in Weiden in der Oberpfalz) und Pfarrer Forster vermittelten bewegende Einblicke in die Schicksale jüdischer Familien aus Weiden. Besonders die Geschichten der Familien Kahn und Hutzler sowie das Schicksal der 13-jährigen Hannelore Kahn, des jüngsten Holocaustopfers aus Weiden, hinterließen einen bleibenden Eindruck.
Die Exkursion machte Geschichte unmittelbar erfahrbar und leistete einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungsarbeit. Gleichzeitig stärkte sie das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler für Demokratie, Toleranz und den respektvollen Umgang miteinander.