„Dass du die Früchte der Erde geben, segnen und erhalten wollest!“ Diese grundlegende Bitte an den Herrgott entstand in früherer Zeit aus der Sorge der bäuerlichen Familien, deren Ernährung und Existenz nicht von Lebensmittelmärkten gewährleistet wurde, sondern von einer guten Ernte abhängig war. Die Bitte um Segen für Wachsen und Gedeihen ist aber nicht die einzige, die bei den drei Bittgängen der Pfarrei Niedermurach an den Schöpfer gerichtet wurde. Einer jahrzehntelangen Tradition folgend führte der dritte Bittgang gemeinsam mit allen Kindern der Grundschule Niedermurach in den Nachbarort Rottendorf.
Während der Bittprozession erklärte Pfarrer Herbert Rösl den Schülern auf kindgerechte Weise das Rosenkranzgebet und die Bitten um die Früchte der Erde, um Frieden und Gerechtigkeit, für die Politiker, für Schöpfung und Klima, für die Familien, um Gesundheit. Eine Rottendorfer Bittprozession kam den Niedermurachern entgegen und gemeinsam zogen sie vor die Dorfkapelle. Bei der Feier der heiligen Messe durften die Kinder ganz nah am Altar dabei sein. In seiner Predigt erzählte Pfarrer Herbert Rösl die Geschichte vom armen kleinen Peppo, der seinen sehnlichsten Wunsch auf einem Zettel mit einem Luftballon in die Welt schickte und voll großer Dankbarkeit war, als sein Wunsch erfüllt wurde. „Lasst Eure Gebete und Bitten zu Gott aufsteigen“, ermunterte er Kinder und Erwachsene, „und dankt Gott für alles Gute.“
Nach einer Stärkung im Gasthaus Zeitler trat die Bittprozession den Rückweg an, wobei alle – quasi als Dreingabe – die herrliche Landschaft des Murachtals genießen konnten. Für die Kinder war der Bittgang eine lehrreiche Fortführung des Religionsunterrichts. Leider hatten sich nur wenige Erwachsene dazu entschlossen, mit der Bittgemeinschaft die Sorgen um Ernte, Klima, Frieden usw. dem Schöpfer Gott hinzutragen.