Dr. Emmanuel Kileo beim Vortrag im Johann-Flierl-Museum  (Bild: Gerda Stollner)

Partnerschaften durch die de-koloniale Brille betrachtet

Dr. Emmanuel Kileo sprach am 10. Mai 2026 im Johann-Flierl-Museum in Fürnried über Partnerschaften aus de-kolonialer Perspektive. Der Referent promovierte an der Augustana Hochschule in Neuendettelsau zum Thema „Weiß-sein als ideologisches Konstrukt in den Süd-Nord-Partnerschaften“. Sein Vortrag trug den Titel „Wir sind noch nicht geheilt“ und zog zahlreiche interessierte Zuhörer an, die sich für eine kritische Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit einsetzen. Kileo behandelte eingehend Dekolonialität, Rassismus und Dialog auf Augenhöhe. Er beleuchtete systematisch die Geschichte kirchlicher Partnerschaften und deren tief verwurzelte koloniale Vergangenheit. Nach der staatlichen Kolonialverwaltung kamen europäische Siedler, Geschäftsleute und Missionare in die afrikanischen Kolonien. Partnerschaft bedeutet voneinander lernen, miteinander glauben und gemeinsam handeln auf Augenhöhe. Wir brauchen uns jetzt. Der Referent berichtete ausführlich über deutsche Truppen am Kilimandscharo ab 1885. 1900 gab es ersten organisierten Widerstand gegen die Besatzung. 18 mutige Häuptlinge wurden öffentlich gehängt und ihre Schädel nach Berlin zu pseudowissenschaftlichen Zwecken gebracht. Im verheerenden Maji-Maji-Krieg in Südtansania wurden grausame 300.000 Menschen systematisch getötet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war vor zwei Jahren in Südtansania und bat offiziell um Vergebung: „Ich verneige mich vor den Helden des Maji-Maji-Krieges und trauere um alle Opfer der deutschen Kolonialherrschaft. Tansania und Deutschland - wir bauen an unserer gemeinsamen Zukunft, aber wir werden nicht vergessen, was damals geschehen ist.“ Kileo thematisierte strukturellen Rassismus und verwies auf noch heute nachwirkende koloniale Hierarchien. Er differenzierte jedoch bei der Mission und hob hervor, dass sich Missionar Johann Flierl bereits früh von den Kolonialherren distanzierte.
Julia Ratzmann von der Pazifik Informationsstelle im Johann-Flierl-Museum  (Bild: Georg Pilhofer )

Ausgewiesene Kennerin berichtet von den Atomwaffentests im Pazifik

Ein bis auf den letzten Platz gefüllter Saal im Senior-Flierl-Museum in Fürnried zeugte am 9. April vom großen Interesse an einem Thema, das oft fern erscheint und doch bis heute nachwirkt: die Atomwaffentests im Pazifik. Als Referentin konnte mit Julia Ratzmann eine ausgewiesene Kennerin der Region gewonnen werden, die seit über zwei Jahrzehnten bei der Pazifik-Informationsstelle tätig ist. Unter den Zuhörern fanden sich neben interessierten Bürgerinnen und Bürgern auch junge Lokalpolitiker sowie Fachleute, die sich mit den Folgen nuklearer Verstrahlung beschäftigen. Zu Beginn ihres Vortrags schlug Ratzmann einen Bogen zurück zu den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki. Sie wies darauf hin, dass diese Ereignisse im Bewusstsein vieler junger Menschen heute kaum noch präsent seien. Umso wichtiger sei eine lebendige Erinnerungskultur, wie sie sowohl in Deutschland als auch in Japan gepflegt werde. Eindrücklich schilderte sie, wie japanische Touristengruppen am 6. August innehalten und ihre Gedenkmomente live ins Internet übertragen – auch aus Nürnberg, wo so eine Verbindung über Kontinente hinweg entstehe. Im Zentrum des Abends standen jedoch die Atomwaffentests der USA im Pazifik. Am Beispiel des Bikini-Atolls machte Ratzmann deutlich, wie 169 Bewohner ihre Heimat verlassen mussten – angeblich „zum Wohle der Menschheit und zur Verhinderung zukünftiger Kriege“. Heute erscheine diese Begründung wie ein tragischer Irrtum. Die jahrzehntelangen Tests führten zu einer regelrechten Wanderbewegung der Betroffenen, die zu „Nuklear-Nomaden“ wurden. Die Hinterlassenschaften dieser Zeit lagern bis heute in einem Bombenkrater, notdürftig im Korallenboden versiegelt, dessen Stabilität zunehmend in Frage steht. Auch die französischen Atomtests im Pazifik nahm Ratzmann in den Blick. Nachdem Frankreich seine Versuche nach der Unabhängigkeit Algeriens nicht mehr in der Sahara durchführen konnte, verlagerte es diese ab 1966 nach Polynesien, mit Tahiti als zentralem Standort. Ein besonders eindrückliches Beispiel sei der dritte Test im September 1966 gewesen: Trotz ungünstiger Wetterbedingungen habe Präsident Charles de Gaulle auf eine sofortige Durchführung bestanden. Der radioaktive Fallout zog daraufhin nicht wie geplant über den offenen Ozean, sondern erreichte bewohnte Atolle – mit schwerwiegenden Folgen für die dortige Bevölkerung. Die gesundheitlichen Auswirkungen dieser Tests veranschaulichte Ratzmann anhand ausgewählter Bilder, die bereits in ihrer zurückhaltenden Darstellung erschütternd wirkten. Sie erinnerte zudem daran, dass selbst viele der eingesetzten Militärangehörigen unzureichend geschützt gewesen seien. Abschließend ging sie auf die Protestbewegungen der 1990er Jahre ein. Unter Parolen wie „Fuck Chirac“ formierte sich europaweit Widerstand gegen die französischen Atomtests, der schließlich 1995 zu einem vorzeitigen Abbruch der Testreihe beitrug. Ihr Fazit formulierte Ratzmann pointiert: Wer heute noch von einer zivilen Nutzung der Kernenergie träume, habe im Physik- oder Biologieunterricht nicht aufgepasst. Im Publikum regte sich kein Widerspruch – stattdessen blieb ein nachdenklicher Eindruck eines Nachmittags, der eindrücklich zeigte, wie lange die Schatten der Atomtests bis in die Gegenwart reichen.
Liesel Strauß, Gerda Stollner, Referent Missionar Werner Strauß (von links nach rechts) (Bild: Georg Pilhofer, Pfr. i. R. )

Mission möglich - Reise in der Vergangenheit, um die Gegenwart kennenzulernen nach Papua-Neuguinea

Wenn heute „Mission” oft hinterfragt wird – ja selbst kirchliche Stellen sich bemühen, das Wort aus ihrem Vokabular zu streichen, dann machte der Vortrag von Pfarrer und Missionar Werner Strauß wieder Mut! Mut zurück in die Geschichte zu schauen und Mut weiterhin die Frohe Botschaft von Jesus Christus zu verkündigen – das ist Teil der Mission. Pfarrer Strauß berichtete von seiner Reise zurück in die Vergangenheit, die er mit seinem jüngsten Sohn Micha unternahm, um nach fast 40 Jahren seine ehemalige Missionsstation im Hochland von PNG zu besuchen. Dass Strauß seinem Dekanat in PNG viel mehr brachte als nur die Bibel, wurde durch die dankbaren Kommentare seiner Schüler deutlich: Schweinemast, Schule, Krankenhaus und vieles mehr begründete er und „die Mission” – damit ein viel besseres Leben im Frieden. Hier wurde die Mission in den letzten Jahren in Frage gestellt. Doch die Frage wendete sich meist an die Falschen, an Menschen, die in der Mission arbeiteten oder mit ihr verbunden sind und nicht an Menschen, die Mission erlebten. Werner Straus konnte in seinem modernen Lichtbildervortrag deutlich machen, wie sich das Land in den letzten 40 Jahren positiv verändert hat. Dazu kam „die Liebe, Freundschaft und Wertschätzung” welche er erleben durfte. Wie dankbar die Menschen von damals für seine Arbeit waren, wurde in vielen Beiträgen in den sogenannten Sozialen Medien dokumentiert, welche Werner Stauß auszugsweise zeigte. Kurz vor Beginn der Synode der Evangelisch-Lutherischen-Kirche von Papua-Neuguinea kam er an. Er erlebte und fotografierte, wie alle zusammenhalfen, damit genug Unterkünfte und Verpflegung für die vielen Hundert Besucher und Besucherinnen da waren. Nach Beginn der Synode weckte ein Posaunenchor aus allen Teilen des Landes die Teilnehmer. Die freundlichen, glücklichen Menschen, welche ihm immer wieder umarmten und ihre Dankbarkeit für seine Arbeit ausdrückten bestärkten Strauß auch in seinem persönlichen Glauben, auch in seinem Alter konnte dieser noch wachsen! Bereichert wurde der Vortrag noch durch ein Späßchen über den Paradiesvogel (auf seinem T-Shirt hatte Werner Strauß einen) – und er meinte: Er als Vogel (Strauß) hätte das Recht über den anderen Vogel zu witzeln. Zum Schluss bekam die Zuhörerschar noch Gelegenheit Fragen zu stellen. Die wurden aber dann begrenzt, da Herr und Frau Strauß zurück nach Neuendettelsau mussten, um das Endspiel des Handballteams anzusehen.

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