„Eingepackt und Mitgenommen“ Eine Kindheit zwischen Oberbayern und Papua Neuguinea, ist der Titel von Johanna Schmotzs Erstlingswerk.
Eine wohl einmalige Autorinnenlesung fand im Johann-Flierl-Museum in Fürnried statt! Dass eine Autorin ihr Werk (besonders wenn es das Erste ist) versucht, in Lesungen vorzustellen, ist wohl normal. Dass sie autobiografisch aus ihrer Kindheit erzählt, ist eher selten. Dass aber dann die ganze Familie (ihre Eltern und die beiden Geschwister) dabei war, war wohl eine Sternstunde in dem kleinen Museum. Der Vater hatte Geburtstag, und so fand sich die ganze Familie in Fürnried ein. Johanna Schmotz machte keinen Hehl daraus, dass ihre Kindheit für sie suboptimal war: Gerade eingeschult ging es nach England für den Sprachkurs des Vaters. Das kleine Kind konnte kein Wort Englisch, durfte aber die Schule besuchen. Nach einem Jahr weiter nach Papua-Neuguinea. Der Vater war begeistert, als sie über den schier unendlichen „Busch“ flogen. Die kleine Johanna kannte bisher nur den „Hollerbusch“ aus dem Kinderreim, dass „Busch“ über Englisch „bush“ und Neomelanesisch (bus) eine ganz andere Bedeutung, nämlich „Urwald, Dschungel“, hat, konnte die Erstklässlerin nicht ahnen. Dann die Ankunft in der Hauptstadt: Aus dem Flugzeug heraus stolperte sie ihren Eltern hinterher auf das Rollfeld. Heiße, feuchte tropische Luft empfing sie. Weiter zum Einsatzort des Vaters, dem Yagaum-Krankenhaus in der Madang-Provinz. Sie wurden mit großen neuguineanischen Ehren empfangen: Erst ein Sing-Sing (Tanzspiel), bei dem das kleine Mädchen von vielen Menschen umringt wurde und die meisten wollten sie anfassen. Sie träumte, sie könnte fliegen und das Geschehen von oben ansehen. Dann das Festessen in der Krankenhauskantine: Statt der bayrischen Hochzeitssuppe gab es Suppe von Flughunden. Ihnen wurde die Delikatesse gereicht: ein Flügel. Der erste Morgen war dann auch aufgeregt: Die Kinder schliefen neben der Mutter. Als sie aufwachten, krochen etwa 10 cm lange Eidechsen über ihre dünnen Laken, unter denen sie schliefen. Waren die giftig? Waren sie aggressiv? Auch der Ruf nach der Mutter half nichts – was diese bestätigte: Aufstehen, Laken ausschütteln und die Tiere verkrochen sich. Nachdem der Unterricht durch die eigene Mutter zu Hause nicht klappte (Johanna hatte wenig Interesse, und die Mutter ergänzte, dass sie ständig unterbrochen, gestört wurde), durfte sie das Internat für Kinder der International Mitarbeitenden der Kirche in Wau besuchen, was rückblickend für sie eine schöne Zeit war: mit Gleichaltrigen, die ein ähnliches Schicksal hatten, betreut von pädagogisch ausgebildetem Personal. Nach einem Heimaturlaub zog es den Vater wegen Bittens aus Neuguinea zurück zu seiner Arbeit. Johanna wurde bei der Großmutter untergebracht und war unter den Gleichaltrigen wieder der bunte Vogel. Während der Lesung und danach konnte die Autorin und die Familie befragt werden, wobei die Autorin große Geduld bewies.