Es war vor 84 Jahren (1942) als die letzten jüdischen Familien Hugo Wilmersdörfer und Ernst Ansbacher über Nacht aus ihren Häusern gerissen, verschleppt und ihre angestammte Heimat verlassen mussten und nie wieder sahen. Damit wurde die seit dem Ende des 17. Jahrhunderts bestehende Jüdische Gemeinde in Floß ausgelöscht. Tatsache ist, dass seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges am 8. Mai 1945 keine Juden mehr in Floß wohnen auch keine jüdische Gemeinde mehr besteht.
Dass der jüdische Kultus in Floß aber lebt, wurde mit der Sanierung der am 9. November 1938 zerstörten Synagoge deutlich. Bauträger war der Markt Floß. Nach Fertigstellung der Sanierungsarbeiten vollzog sich nach 42 Jahren am 9. November 1980 eine feierliche Einweihung des jüdischen Gotteshauses. Im Jahre 2005 wurde eine zweite Sanierung abgeschlossen.
Eigentümer der Synagoge ist nach dem Verkauf des Hauses durch den Markt Floß im Jahre 1964 der Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Sitz München. Stets im guten Einvernehmen zwischen dem Landesverband und der politischen Gemeinde, dem Markt Floß, werden in der Synagoge seit dem Jahre 1980 Führungen und Vorträge gehalten. Vor allem hat der kulturelle Bereich Einzug gehalten, wenn Jahr für Jahr großartige Konzerte stattfinden. Darunter sind die Benefizveranstaltungen von Künstlern vom Verein für Musik in Synagogen, Pilsen, ebenso wie die der Gesellschaft Musik und Text, Weiden, zu erwähnen.
Zu einer Zentralveranstaltung wurde seit nahezu 30 Jahren die Feierstunde im Rahmen des „Jahres der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit“ (vormals unter dem klingenden Namen „Woche der Brüderlichkeit“). Sie macht deutlich, dass der jüdische Kultus im Markt Floß nicht untergegangen ist. Veranstalter der Feierstunde ist die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Weiden e.V. unter Vorsitz von Pfarrer Alfons Forster (katholisch), Werner Friedmann (jüdisch) und Matthias Langer (evangelisch).
Die Gedenkstunde fand am Sonntag, 17. Mai in der Flosser Synagoge unter dem Motto: „Schulter an Schulter miteinander“” ihre Fortsetzung. Sie ist das Streben nach Achtung vor der Würde eines jeden Menschen lebendig zu halten und immer wieder darauf aufmerksam zu machen.
Gemeinsamkeit, Toleranz und Menschlichkeit stehen im Mittelpunkt der Gedenkfeier. Wieder war der Flosser Pfarrer Wilfried Römischer bereit, die musikalische Gestaltung der Feierstunde mit Kantor Andreas Kunz (E-Piano), Sybille Wagner (Flöte) und Franco Ricciardi (Drumset) zu übernehmen. Sie begleiteten neben weiteren Liedern den Gesang „Hevenu Shalom alechem – Wir wünschen Frieden euch allen, Frieden in aller Welt“. Damit bekräftigten die Teilnehmer den Dialog zwischen Juden und Christen und lieferten neue, wichtige Impulse.
Auch diese Feierstunde war erneut eine Ansage und ein Kampf gegen Antisemitismus und Radikalismus sowie für ein friedliches Zusammenleben der Völker und Religionen. Den Beweis dafür traten einmal mehr die beiden Ortsgeistlichen, Pfarrer Max Früchtl (katholisch) und Pfarrer Wilfried Römischer (evangelisch) mit den Vorstandsmitgliedern der Gesellschaft, Pfarrer Alfons Forster, Werner Friedmann und Matthias Langer durch ihre Vorbereitung, Organisation und Gestaltung der Feier an. Rabbiner Dannyel Morag, ein treuer Stammgast in Floß, gab der Feierstunde durch seine ergreifenden Vorworte zu den Gebeten und Gesängen eine besondere Note.
In seiner Hinführung zum Jahresthema hielt Pfarrer Alfons Forster bei seiner Begrüßung fest, dass „Schulter an Schulter miteinander“ gleichzeitig eine gemeinsame, friedliche Zukunft zu bauen bedeute.
Es folgte das gemeinsam gesungene Lied: „Kommt herbei“.
Dem Musikstück folgte ein Psalmwort von Pfarrer Max Früchtl, der die Feierstunde als „Versammlung“ verglich und von einer „Schalomisierung und ein Leben mit Gott“ sprach. Im geschwisterlichen Miteinander sei gemeinsames teilen und danken das Gebot der Stunde. Die Besucher sangen das Lied: „Nun jauchzt dem Herrn“, nachdem Rabbiner Dannyel Morag zu seinem Schlusswort kam. Das größte Geschenk an Gott ist die Möglichkeit sich an ihm zu wenden. Die Grüße des Marktes überbrachte Bürgermeister Robert Lindner. Er sprach von Respekt und Dialog unter Juden und Christen. Nichts sei aktueller als das Wort: „Schulter an Schulter miteinander“. Damit werden Demokratie und Offenheit deutlich gemacht. Pfarrer Max Früchtl, Pfarrer Wilfried Römischer und Rabbiner Dannyel Morag sprachen gemeinsam den Segen. Das Schlusswort von Pfarrer Alfons Forster war der Abschluss einer eindrucksvollen und ergreifenden Feierstunde. Wo Schalom herrsche, fänden sich nicht nur Sicherheit und Ruhe, sondern auch Gesundheit und Freude. hielt Pfarrer Forster abschließend fest. Diese Freude drückten die Teilnehmer in dem gemeinsam gesungenen Lied: „Hevenu Schalom alechem“ aus.