Der Wetterbericht hatte Blitz, Donner und raue Unwetter angekündigt. Bekommen haben die Besucher am Sonntagabend stattdessen kopflose Gestalten, dunkle Mächte, unheimliche Begegnungen und jede Menge oberpfälzische Bauernschläue. Die Veranstaltung „Aus der wilden Oberpfalz – Alte Geschichten neu erzählt“ war vorsorglich vom Innenhof in den Galeriesaal des Schwabhofs verlegt worden und fand dort eine Kulisse, die kaum besser hätte passen können. Gedimmtes Licht und die geheimnisvollen Geschichten sorgten für die passende Atmosphäre. Agnes O. Eisenreich griff auf Sagen, Märchen und Erzählungen zurück, die der Volkskundler Franz Xaver Schönwerth im 19. Jahrhundert in der Oberpfalz gesammelt und bewahrt hatte. Vieles erinnerte an die Märchenwelt der Brüder Grimm, fiel jedoch oft deutlich rauer und schauriger aus. Die Fernsehjournalistin las die Geschichten nicht vor, sondern erzählte sie frei und lebendig. Dabei schlug sie immer wieder den Bogen zur Lebenswelt der Menschen, aus der die Erzählungen entstanden waren. Schnell wurde deutlich, dass Hans Wax und Stefan Huber weit mehr als musikalische Begleiter waren. Mit einer beeindruckenden Vielfalt an Instrumenten schufen sie Klangbilder, die die Geschichten aufgriffen und weitererzählten. Mal erklang der böhmische Dudelsack, mal die Schlagzither, wenig später überraschten virtuose Gitarrenpassagen. Volksmusik, Jazz, Rock und folkloristische Einflüsse gingen dabei beinahe nahtlos ineinander über. Die beiden Musiker wurden selbst zu Mit-Erzählern des Abends. Gerade dieses Wechselspiel aus Wort und Klang machte den Reiz des Programms aus. Trotz hochsommerlicher Temperaturen vergingen die knapp drei Stunden erstaunlich schnell. Als die letzten Töne verklungen waren, kehrten die Besucher aus der „wilden Oberpfalz“ wieder in die Gegenwart zurück. Das angekündigte Unwetter war ausgeblieben – die schaurigen Geschichten hatten ihre Wirkung dennoch nicht verfehlt.