Ein Streichquartett? Nicht ganz, die Bratsche fehlt. Oder nein, eigentlich fehlt sie nicht, denn drei Geigen, eine Gitarre, Klavier, Quetsch’n, Mandoline, Trompetengeige und Waschbrett reichen wirklich aus, um Klassik und Volksmusik mit Melodien und Rhythmen aus aller Herren Länder zu verschmelzen, bis etwas unverwechselbar Eigenes entsteht. Die NouWell Cousines, die nächste Generation aus der großen Well-Sippe, erforschen ihre Familiengeschichte und verwandeln dabei den Seidelsaal in eine Münchner Boaz’n.
Matthias Well, seine Schwester Maria und die Kusine Maresa Well haben als Korrektiv gegen eine mögliche Überdosis Oberbayern noch Alexander Maschke in ihre Gruppe aufgenommen. Er stammt nach eigener Aussage aus Mittelnordostwestdeutschland, tut sich schwer mit dem Dialekt, dafür glänzt er auf der Geige.
Vom ersten Ton an ist das Publikum dabei. Die Füße wippen, immer wieder klatscht oder singt jemand mit. Kräftig wird in die Refrains eingestimmt. Musikalisch ist das Programm tief in Oberbayern verwurzelt, aber die kräftigen Triebe der Volksmusik aus dem Voralpenland treiben seltsame exotische Blüten und bringt fremdländische Blätter hervor. Kein Wunder, haben doch die jungen Wells herausgefunden, dass ihre Vorfahren vom Stamm der Chellonen waren, die in Kentucky an einer Quelle, englisch „well“, siedelten. Bluegrass-Klänge mischen sich deshalb mit Walzer, Jodler und allem dazwischen. Das funktioniert bestens, weil die vier auf der Bühne sehr gute Musiker sind und riesig viel Spaß haben. Ob Schönheitswahn oder Dating-Apps, kein Trend bleibt unkommentiert. Großer Spaß auf hohem Niveau.