80 Jahre sind mittlerweile vergangen, seit Sudetendeutsche nach dem 2. Weltkrieg ihre Heimat verlassen mussten und 35 Jahre besteht nun schon eine Schulpartnerschaft der Schulen Eslarn, Moosbach und Bela nad Radbuzou (jetzt leider nur noch im Grundschulbereich, da die beiden deutschen Schulen die Mittelschule verloren haben). Trotzdem wird auch in den oberen Klassen in Tschechien immer noch in einer Arbeitsgemeinschaft an Themen aus der deutsch-tschechischen Geschichte gearbeitet.
Eine große grenzüberschreitende Projektarbeit an der Zakladni skola Bela nad Radbuzou (früher: Weißensulz) wurde nun vor kurzem mit einem Besuch der 7. und 9. Klassen in der Synagoge, dem jüdischen Friedhof in Floß und der KZ-Gedenkstätte in Flossenbürg abgeschlossen. Die gut vorbereiteten Schüler erfuhren dabei viele Verbindungen, aber auch Unterschiede der jüdischen und der christlichen Religion und beschäftigten sich mit den Ursachen des Antisemitismus in Vergangenheit und Gegenwart. In der KZ-Gedenkstätte nahmen sie an einer Führung in tschechischer Sprache teil und „erlebten“ dabei die Unmenschlichkeit und Grausamkeit der NS-Diktatur. Auch viele Tschechen, besonders Bürger, die Widerstand gegen die Nazis leisteten, starben in Flossenbürg. Zur Sprache kamen bei dem Besuch auch die Gefahren von autoritären und nationalistischen Bestrebungen, die sich nicht nur in Deutschland und Tschechien, sondern europa- und weltweit ausbreiten, und die zum Verlust der Demokratie, der Freiheit und der Menschenrechte führen. Finanziert wurde die Fahrt vom SPD-Ortsverein Moosbach und Herrn Georg Stahl, MdL a.D.
Die Vorarbeit zu dieser Veranstaltung wurde aber bereits im vergangenen Schuljahr geleistet durch die Teilnahme der 9. Klasse der ZS Bela nad Radbuzou an einer Projektarbeit der Körber-Stiftung im Auftrag des Bundespräsidenten zum Thema „Die Grenze- Bis hierher und nicht weiter! Oder doch??? Die Grenze in der Geschichte Deutschlands und Tschechiens“. Dabei wurde die Grenze und ihre Auswirkungen auf die Menschen vom Mittelalter bis zur „Jetztzeit“ untersucht. Dabei wurden nicht nur schriftliche Quellen untersucht, sondern auch Denkmäler in Tschechien hinterfragt und Zeitzeugen kamen zu Wort (z. B. Heimatvertriebene und ein Offizier der Grenzwache zur Zeit des „Eisernen Vorhangs“).
In diesem Schuljahr wurde nun auch wieder ein „internationaler Friedensgottesdienst“ anlässlich des Volkstrauertages von den tschechischen Kindern der 9. und 7. Klasse vorbereitet. Dieser Gottesdienst findet bereits seit vielen Jahren abwechselnd in Bela nad Radbuzou, Eslarn und Moosbach statt. Heuer wurde er in Bela nad Radbuzou organisiert und von Bischof Holoub aus Pilsen zelebriert. Auch deutsche Bürger, die Bürgermeister aus den drei Orten und die Ruhestandsgeistlichen Pfarrer Bauer und Pfarrer Hartl nahmen daran teil. Übrigens: Der weitaus größte Teil der Schüler sind Atheisten. Auf die Frage, warum sie trotzdem einen Gottesdienst vorbereiten würden, antwortete einer: „Ich bin zwar Atheist, aber vielleicht gibt es Gott ja doch. Und außerdem wollen wir den Deutschen zeigen, dass auch wir Tschechen trotz unserer schlimmen gemeinsamen Geschichte Frieden wollen!“
Die gesamte Projektarbeit wurde auch ehrenamtlich von einem deutschen Lehrer unterstützt.