Das Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth hat sich als eine der führenden Schulen Deutschlands im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) etabliert. Bei der Preisverleihung des ersten Deutschen KI-Schulpreises 2025 in Heilbronn wurde das Gymnasium für sein herausragendes KI-Gesamtkonzept ausgezeichnet. Damit gehört das Stiftland-Gymnasium zu den neun besten Schulen in Deutschland und ist eine von nur zwei bayerischen Einrichtungen, die sich in dieser hochkarätigen Endrunde durchsetzen konnten. Die Hans-Carossa-Grundschule aus Passau war die zweite Schule aus Bayern, die eine Auszeichnung erhielt.
Der Deutsche KI-Schulpreis, ausgelobt von der Dieter Schwarz Stiftung, der Deutschen Telekom Stiftung und der Initiative Deutschland – Land der Ideen, würdigt Schulen, die KI auf innovative und pädagogisch sinnvolle Weise in den Unterricht und die Verwaltung integrieren. Die Auszeichnung für das Stiftland-Gymnasium unterstreicht die besonderen Fähigkeiten der Schule im Bereich Informatik und Zukunftstechnologie und setzt ein deutliches Zeichen für die Bedeutung der digitalen Bildung in der Region.
Das Stiftland-Gymnasium unterscheidet sich von anderen Schulen, die sich mit KI beschäftigen, durch seinen pragmatischen Ansatz. Im Gegensatz zur ausschließlichen Nutzung cloudbasierter Dienste betreibt die Schule einen Großteil ihrer KI-Anwendungen in Eigenregie, direkt im Schulhaus. Dabei werden technische Lösungen selbst entwickelt und angepasst, um den spezifischen Bedürfnissen der Schüler und Lehrer gerecht zu werden.
„Wir sehen KI nicht nur als Werkzeug, sondern als Bildungsinstrument, das Verantwortung, Reflexion und Selbstständigkeit fördert“, erklärt Martin Putzlocher, stellvertretender Schulleiter und Informatik-Lehrer. „Es ist uns wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler verstehen, wie KI funktioniert, welche Möglichkeiten sie bietet und welche ethischen Fragen damit verbunden sind.“
Das Herzstück der KI-Infrastruktur des Stiftland-Gymnasiums ist ein eigener KI-Hochleistungsserver. Auf diesem sogenannten „on-premises“-System laufen rund 20 spezialisierte Open-Source-Sprachmodelle, die über die benutzerfreundliche Oberfläche „open-webui“ gesteuert werden. Ein Modell ist direkt an die Moodle-Lernplattform angebunden, zusätzlich nutzen Lehrkräfte und Schüler das externe KI-System von „schulKI.de“.
Diese Infrastruktur ermöglicht es der Schule, Datenschutz, Flexibilität und technologische Unabhängigkeit zu gewährleisten. Alle personenbezogenen Daten verbleiben innerhalb der Schule, und die Lehrkräfte haben die volle Kontrolle über die eingesetzten Modelle und Algorithmen.
Die Integration von KI ist am Stiftland-Gymnasium längst Realität geworden. Lehrkräfte nutzen KI-Tools, um Übungsaufgaben zu generieren, Texte zu vereinfachen oder individualisierte Rückmeldungen an die Schülerinnen und Schüler zu geben. Die Schülerinnen und Schüler profitieren von KI-gestützten Lernhilfen, die ihnen Inhalte erklären, Fragen beantworten und bei der Vorbereitung auf Prüfungen helfen.
Besonders in der Informatik entstehen beeindruckende Anwendungen. In der Oberstufe trainieren die Schülerinnen und Schüler eigene Modelle, bereiten Datensätze vor und entwickeln KI-gestützte Programme – von der Sentiment-Analyse bis hin zu Lernhilfen für jüngere Klassen.
Doch auch fächerübergreifend spielt die Technologie eine wichtige Rolle. In 3D-Druck-Projekten werden mit KI entworfene Grafiken in CAD-Modelle überführt und anschließend ausgedruckt. In den Sprachen entstehen Hörübungen aus KI-generierten Dialogen, die Kreativität, Technik und Sprachpraxis zu neuen Lernformen verbinden.
Datenschutz und Ethik sind am Stiftland-Gymnasium nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern Leitprinzipien der KI-Integration. Der schuleigene Server arbeitet komplett offline, sodass personenbezogene Daten innerhalb der Schule bleiben. Externe Tools werden nur dann eingesetzt, wenn sie den deutschen Datenschutzstandards entsprechen.
Die Lehrkräfte achten darauf, dass KI als Werkzeug genutzt wird, nicht als Ersatz für Denken oder Kreativität. Sie vermitteln den Schülerinnen und Schülern, dass KI-Ergebnisse kritisch hinterfragt und Quellen überprüft werden müssen. Ziel ist es, die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu stärken und ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit Technologie zu vermitteln.
Das Projekt am Stiftland-Gymnasium ist Teil des bayerischen Schulversuchs „proof“, der neue Wege für KI-basiertes Feedback in der Bildung untersucht. Das Gymnasium wird dabei durch die Stiftung Bildungspakt Bayern, Partnerunternehmen wie IGZ sowie Hochschulen in Amberg-Weiden und Bayreuth unterstützt.
Der schulische Nutzen der KI-Integration ist bereits heute klar spürbar. KI entlastet die Lehrkräfte bei der Vorbereitung und Auswertung, schafft Raum für individuelle Förderung und steigert die Lernmotivation der Schülerinnen und Schüler. Die Schülerinnen und Schüler profitieren von unmittelbarem Feedback, von Übersetzungen und Hilfestellungen, die sprachliche oder kognitive Barrieren abbauen.
Das Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth hat bewiesen, dass KI nicht nur ein technischer Trend ist, sondern ein leistungsstarkes Bildungsinstrument, das Verantwortung, Reflexion und Selbstständigkeit fördert. In Tirschenreuth entsteht so ein Modell für die Schule der Zukunft: sicher, praxisnah und mit einem hohen Innovationsgeist. Die Auszeichnung mit dem Deutschen KI-Schulpreis ist eine verdiente Anerkennung für die herausragende Arbeit des gesamten Teams und ein Zeichen dafür, dass das Stiftland-Gymnasium auch weiterhin eine Vorreiterrolle im Bereich der digitalen Bildung einnehmen wird.