Einen etwas anderen Unterricht erlebte kürzlich eine 7. Klasse der Realschule im Stiftland: Statt nur im Klassenzimmer zu sitzen, durften die Schülerinnen und Schüler zunächst Theorie lernen – und anschließend selbst zur Astschere greifen. Zu Gast war Manuela Pappenberger, Kreisfachberaterin für Gartenkultur und Landespflege am Landratsamt Tirschenreuth. Sie zeigte der Klasse, wie Obstbäume richtig geschnitten werden. Zum Einstieg stellte die Expertin verschiedene Apfelsorten vor und ging dabei besonders auf heimische Sorten wie Jakob Fischer, Jonagold oder Boskop ein. Anschließend erklärte sie, warum Obstbäume überhaupt geschnitten werden müssen. Ein fachgerechter Schnitt sorgt für bessere Lichtverhältnisse in der Krone, sodass alle Früchte ausreichend Sonne bekommen. Gleichzeitig bleiben die Kronen luftdurchlässig, was das Risiko von Krankheiten verringert. Außerdem setzen die Bäume früher Früchte an, die Pflege und Ernte werden erleichtert und die Äste sind weniger anfällig für Windbruch. Spannend wurde es, als Pappenberger erklärte, dass auch Bäume „erzogen“ werden müssen. Beim Aufbau eines jungen Obstbaums spielt der sogenannte Pflanzschnitt eine wichtige Rolle. In der Mitte steht die Stammverlängerung – gewissermaßen der „Chef“ des Baumes – und dazu kommen drei Leitäste. Von oben betrachtet sollten diese möglichst gleichmäßig verteilt sein, ähnlich wie die drei Spitzen eines Mercedes-Sterns. Auch die sogenannte Saftwaage sowie das richtige Anschneiden über einer Knospe erklärte die Expertin anschaulich. Nach der Theorie ging es schließlich nach draußen auf die schuleigene Streuobstwiese, die vor zwei Jahren von damaligen Schülerinnen und Schülern gepflanzt worden war. Dort durften die Jugendlichen selbst aktiv werden. Unter den wachsamen Augen der Expertin schnitten sie die jungen Obstbäume fachgerecht zurück und setzten das Gelernte direkt um. Schritt für Schritt wurden so alle Bäume der Streuobstwiese gepflegt. Der Unterricht zeigte eindrucksvoll, wie lebendig Lernen sein kann. Die Schülerinnen und Schüler konnten nicht nur theoretisches Wissen sammeln, sondern auch selbst Hand anlegen – und leisteten dabei gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Pflege der schuleigenen Streuobstwiese.