Nach dem zweiten Arbeitstag konnten die Teilnehmer am Fassbinderkurs zusammen mit den Aktiven des Arbeitskreises Hist. Handwerk bereits den Rohling vorzeigen. (Bild: Herbert Konrad)

Fassbinderei begeistert

Beeindruckend, dass auch Spezialisten aus Medien oder Akademiker aus der Flugzeugtechnik an der Arbeit des Fassmachens solche Bereicherung erfahren. Dazu kamen Anfang März drei Männer aus München, Weissenburg und Bärnau in die Tirschenreuther Handwerkerscheune und machten sich zusammen mit den Aktiven an die Arbeit, selbst ein Bierfass herzustellen. In zwei Fällen hatten ihre Partnerinnen dieses Angebot im Internet entdeckt und ihren Männern heimlich dieses Geschenk gemacht. Mit großem Eifer machten sie sich an die Arbeit, denn der Wunsch, ein eigenes Fass mit nach Hause zu nehmen, war das Ziel. Dass man ihnen drei Tage Zeit ließ, war ihnen zunächst nicht ganz plausibel. Das kantige Eichenholz ablängen, zurecht hobeln, ausbauen, Dauben kochen und biegen und vorbereitete Dauben im Fassrund zusammen setzen und in der Stemmmaschine fügen, damit war der erste Arbeitstag vorbei. Für den zweiten Tage mussten die Akteure händisch das rohe Fass innen und außen putzen, hobeln und schleifen. Boden und Deckel erforderte passgenaues Zurichten und Einsetzen. Dies wollte nicht immer auf Anhieb gelingen. Also wieder herausnehmen, nacharbeiten und einsetzen, notfalls ein zweites oder drittes Mal. Auch die vier Fassreifen und Spund-, Zapf- und Pfeifenloch waren am zweiten Tag eingeplant. So blieb für den letzten Tag noch das Schilf zwischen die Dauben und in die Nut einzulegen und der „Feinschliff”, ehe die Stirnflächen mit Holzlack gestrichen wurden. Als besondere Dreingabe signierte Kollege Ernst die Fässer mit dem Wappen der Handwerkerscheune und somit freuten sie sich über das gelungene Fass.
Feierliche Eröffnung der Toilettenanlage. (Bild: Herbert Konrad)

Eröffnung der Toilettenanlage bei der Handwerkerscheune

Für den Arbeitskreis Historisches Handwerk (AK) ging ein lang ersehnter Wunsch in Erfüllung. Wenn das „menschliche Bedürfnis” groß ist, dann sehnt man sich nach dem entsprechenden „Örtchen”, so beschrieb Herbert Konrad die Situation bei der offiziellen Eröffnung am Samstag, 5. Oktober, bei der Tirschenreuther Handwerkerscheune. Im Beisein von Erstem Bürgermeister Franz Stahl, einigen Stadträten, dem Sachgebietsleiter der Ikom Stiftland und Sponsoren konnte Hauptorganisator Herbert Konrad auch zahlreiche Mitglieder mit Frauen vor dem Modul (Container) mit behindertengerechtem WC und anliegender Teeküche begrüßen. Die „Einweihung” fand sozusagen schon ein paar Wochen vorher statt, als zwei größere Besuchsgruppen die Handwerkerscheune aufsuchten und sich einige ganz dringend nach dem WC sehnten und sich dort erleichtern konnten. Verschiedene Planungen führten schließlich zur Modulbauweise, die ein behindertengerechtes WC und eine angegliederte Teeküche beinhaltet. Mit finanziellen Zusagen der Stadt Tirschenreuth in Höhe von 8.000 Euro, vom Zweckverband Ikom Stiftland mit 80 Prozent für die Containeranlage – das entspricht 9.000 Euro –, der Volksbank Raiffeisenbank mit 2.000 Euro sowie Spenden von Firmen und Privatpersonen konnte das Projekt verwirklicht werden, so Herbert Konrad. Besonderer Dank sagte der Organisator dem Grundstücksbesitzer Hermann Härtl für seine bereitwillige Unterstützung. Bürgermeister Franz Stahl lobte das großartige Engagement des AK in der Handwerkerscheune. Als Außenstelle des Museumsquartiers (MQ) zieht sie zahlreiche Besucher an, die nicht selten nach einer Toilette fragen. Kurz gesagt: Finanzierung stimmt, Modul stimmt, Engagement stimmt, Team stimmt, und er schloss mit dem Dank an Herbert Konrad und seine Fassbinder und wünschte für die Zukunft alles Gute. Der AK bedankte sich bei den Sponsoren und den langjährigen Mitgliedern mit einem eigens angefertigten Holzplättchen und lud sie anschließend zum gemütlichen Beisammensein mit kleiner Verköstigung ein.


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