Mit „Variationen über eine rote Nase“ des Autors Ramon Pierson brachte die Theater-AG des Elly-Heuss-Gymnasiums das Publikum zum Schmunzeln und Nachdenken. Das absurde Stück, auch ein Beitrag zur Verfassungsviertelstunde, thematisiert Integration wie Exklusion von „Anderen“ und legt Verhaltensmechanismen gegenüber „Anderen“ offen.

In einer Gesellschaft von Einheimischen tauchen rote Nasen auf, erst vereinzelt auf dem Markt oder in der Warteschlange vor dem Kino. Sie scheinen weder die einheimische Sprache noch die gängigen Höflichkeitsregeln zu verstehen.

Dann werden es mehr. Man findet sie, ihre gurrende Sprache und ihre Begrüßungsrituale (mit dem Hinterteil…!) reichlich seltsam. Endlich tritt man beim Bierchen in Kontakt, neugierig, aber auch abschätzig. Die roten Nasen werden zahlreicher, sie dienen den Einheimischen nun als Hausmädchen oder Objekt für grausame Kinderspielchen.

Jedoch: Die Einheimischen möchten Aufnahmebereitschaft signalisieren. Eine engagierte Dame organisiert einen Folkloreabend, um den neuen Mitbürgern etwas „Lokalkolorit“ zu vermitteln. Der Abend misslingt grandios: Missverständnisse sprachlicher wie kulinarischer Art („Nachtschneckenröllchen???“) lassen den Abend desaströs enden.

Aber zäh arbeiten sich die Neuen hoch, bevölkern allmählich ganze Viertel. Zwei alte Damen verstehen deshalb die Welt nicht mehr. Schließlich muss man sich gar im familiären Rahmen mit den roten Nasen auseinandersetzen, denn die Tochter bringt eine rote Nase als Freund mit nach Hause.

Zuletzt taucht eine schwarze Nase auf. Die roten Nasen bemerken sie, lachen sie nach allen Regeln der Kunst aus. Die einstigen Opfer werden zu Tätern. Unbeachtet von allen säubert eine einheimische Putzfrau die Treppen.

Neun Szenen erzählen eine Entwicklung, aber keine kontinuierliche Geschichte. Dies sowie die absurden Elemente verlangten den Schülerinnen der Klassen fünf bis zehn Abstraktionsvermögen, intensive Einarbeitung und erheblichen Einsatz ab. Das sehr beachtliche Resultat ist eine Meisterleistung der gesamten Gruppe und der Applaus bei der Abendveranstaltung wie bei der Schulversammlung mehr als verdient. Herzlicher Dank ergeht auch an das Licht- und Technikteam „ElLi&So“ für die gelungene Lichtregie.