Als sie im September 1952 eingeschult wurden und für sie der „Ernst des Lebens“ begann, waren die Angehörigen des Jahrgangs 1945/1946 noch sauber nach Geschlechtern getrennt. Die 18 mit Schultüten bewaffneten Buben wurden im Knabenschulhaus hinter der Stadtpfarrkirche von Lehrer Siegert empfangen, die Mädchen von Schwester Agnieska im Kloster der Armen Schulschwestern in der Klostergasse. Als nun dreizehn Jahrgangsangehörige ihren 80. Geburtstag mit einem Klassentreffen feierten, verzichtete man freilich auf die einstige Sortierung. Man feierte gemeinsam. Waltraud Lorenz hatte alles bestens organisiert. Selbstverständlich war für alle die Feier eines Gottesdienstes, bei dem der verstorbenen Jahrgangsangehörigen gedacht wurde. Pfarrvikar Ndudi Kelechi Izuagba begrüßte die Jubilare und Jubilarinnen dazu namentlich in der Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Am Altar hatte man die Jahrgangskerze entzündet. Die weltliche Feier wurde mit einem gemeinsamen Mittagessen im Gasthof „Goldener Hirsch“ eröffnet. Fortgesetzt wurde das Treffen mit einem gemütlichen Zusammensein zu Kaffee und Kuchen im Anglerheim. Als „Stargast“ konnte man Robert Hierl willkommen heißen, der selbstverständlich seine Gitarre und die von ihm selbst zusammengestellten Liederbücher mitgebracht hatte. So konnten alle zu seinen Klampfenklängen textsicher und kräftig bei den aus guten alten Zeiten bekannten Fahrtenliedern und Schlager-Oldies mitsingen, die er anstimmte. Waltraud Lorenz hatte für alle Jahrgangsangehörigen und für Robert Hierl eine kleine Überraschung bereit – ein Glas Blütenhonig, geerntet von einem Hirschauer Imker. Es lag in der Natur der Sache, dass in der gemütlichen Runde viele alte Erinnerungen aus der Kindheit und Jugendzeit ausgetauscht wurden.