Seit 80 Jahren haben wir uns daran gewöhnt, dass wir in Frieden leben dürfen. Seit vielen Jahren erinnert uns der Volkstrauertag im November an die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte, den 1. und 2. Weltkrieg! In der Stadt Bela nad Radbuzou (Weißensulz an der Radbuzou) Tschechien fand diesmal der jährliche Friedensgottesdienst statt. Die Schüler der Oberstufe (übrigens 90 Prozent Atheisten!) der Zakladni Skola (Volksschule) hatten den Friedensgottesdienst vorbereitet. Er stand unter dem Motto „Deutsche und Tschechen wollen trotz des Unrechts und der Verbrechen, die auf beiden Seiten geschahen, in Frieden und Freundschaft zusammenleben“. Dazu haben sie sich im Unterricht sehr intensiv mit unserer gemeinsamen Geschichte beschäftigt und eine Ausstellung zusammengestellt, die sie in der Kirche aufbauten. In dieser durften natürlich Geschehnisse wie die Vertreibung der Deutschen, das KZ Flossenbürg, die Zerstörung des Dorfes Lidice nicht fehlen. Kann „gegoogelt“ werden.
Für die Organisation sorgten wie alle Jahre seit Beginn der Friedensgottesdienste der Bürgermeister von Bela Libor Picka sowie der Moosbacher Rektor im Ruhestand Josef Rauch. Beide sind sich einig: „es genügt nicht, nur für den Frieden zu beten, wir wollen ein Zeichen setzen, dass Tschechen und Deutsche in Frieden und Freundschaft miteinander leben wollen.“ Zum Gottesdienst und zur Gedenkfeier am Ehrenmal hatten sich auch die Bürgermeister Armin Bulenda (Moosbach), Rainer Gäbl (Eslarn) und Libor Picka (Bela) eingefunden.
Mit dem Einzug von Bischof Thomas Holoub aus Pilsen mit dem örtlich zuständigen Pfarrer Marek Badida aus Bischofteinitz und den Deutschen Pfarrern i.R. Georg Hartl (Waidhaus), Erwin Bauer (Eslarn) begann der Friedensgottesdienst. Die Schüler/innen der 7. und 8. örtlichen Volksschulklassen setzten Zeichen für den Frieden und warnten vor Stolz, Gleichgültigkeit, Spott, Verleumdung, Neid, Zorn und Angst. Sie rieten zur Demut, gegenseitiger Achtung, Wahrheit, Dankbarkeit, Vergebung und Vertrauen.
Nach dem Gottesdienst fand ein feierlicher Akt am Kriegerdenkmal vor der Kirche statt. Eine Musikschülerin intonierte auf ihrer Klarinette die Europäische Hymne aus der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Bürgermeister Rainer Gäbl aus Eslarn dankte dem Brückenbauer-Preisträger Josef Rauch für dessen Vorarbeit. Gäbl wies auf die vielen Kriege, die derzeit auf der ganzen Welt wüten, hin. „Der Frieden komme nicht von alleine zurück. Daran müssen wir arbeiten“, riet er. Auch der tschechische Armeegeneral Karel Rehka und die Parlamentsabgeordnete Michaela Opltova unterstrichen mit ihrer Anwesenheit die Wichtigkeit der Veranstaltung für die deutsch-tschechische Freundschaft.