Als gestern kurz nach Spielende die Blaskapelle aufspielte und Bürgermeister Sebastian Hartl persönlich seine Glückwünsche überbrachte, war die Freude über den geglückten Aufstieg riesengroß. Ein Moment, der allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Im Anschluss kamen Verantwortliche und Spieler bei der Pressekonferenz zu Wort. Dabei wurde schnell deutlich, welch große Bedeutung dieser Erfolg hat: Für Abteilungsleiter Michael Grünwald geht ein lang gehegter Herzenswunsch in Erfüllung – das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit, Leidenschaft und unermüdlichen Engagements.
Umso bemerkenswerter ist der Blick zurück: Noch Mitte Oktober schien das klar formulierte Saisonziel, der Aufstieg, in weite Ferne gerückt. Mit einem holprigen Start und lediglich 3:5 Punkten drohte die Saison frühzeitig aus dem Ruder zu laufen. Doch gerade das schwere Auswärtsspiel in Wernburg wurde zum entscheidenden Wendepunkt. Dort gelang es dem neu formierten Schlussduo erstmals, einen großen Rückstand zu drehen – der berühmte gordische Knoten war geplatzt.
Von diesem Moment an war der SC-Express nicht mehr zu bremsen: 13 siegreiche Zweitligaspiele in Serie sowie zwei erfolgreiche Pokalauftritte folgten. Lediglich dem Topteam aus Raindorf musste man sich im Pokalachtelfinale geschlagen geben.
Die Grundlage für diesen außergewöhnlichen Erfolg wurde bereits vor über 20 Jahren gelegt, wie Michael Grünwald rückblickend betonte. Wichtige Meilensteine waren unter anderem der Neubau der Kegelbahn im Jahr 2020 sowie die gezielte Integration neuer Spieler. 2022 brachte frischer Wind aus Amberg zusätzlichen Auftrieb – Spieler wie Wehner, Hüttner und Hautmann fanden in Oberwildenau eine neue sportliche Heimat. Spätestens mit den weiteren Neuzugängen Weiß, Gevatter und Fröhlich im Jahr 2025 war die Marschrichtung klar: Dieses Team will ganz nach oben.
Das Erfolgsrezept für den Bundesligaaufstieg liegt dabei auf der Hand: regionale Spieler, Freunde, Verwandte und langjährige Weggefährten – eine Mannschaft, in der nicht nur die Leistung, sondern vor allem auch die Chemie stimmt.
Das Spiel – Spannung bis zur letzten Kugel
Bevor gegen 16 Uhr alle Zweifel beseitigt waren und der SC das Derby für sich entscheiden konnte, brachte der SKK Eschlkam das Heimteam ordentlich ins Schwitzen.
Gevatter und Hüttner stellen früh die Weichen
Die Startpaarung hatte maßgeblichen Anteil am Erfolg. Marcus Gevatter zeigte gegen Markus Hahner (601) eine überragende Leistung und krönte sich mit starken 648 Kegeln zu seinem besten Heimauftritt. Mit Weltklasse-Durchgängen von 182, 163 und 171 begeisterte er die Zuschauer im vollbesetzten Sportheim. Auch Matthias Hüttner (646) stand dem in nichts nach und setzte mit 193 Kegeln im zweiten Durchgang sogar einen neuen Bahnrekord auf Bahn 4. Am Ende ließ er Matthias Bergbauer (598) klar hinter sich.
Zwischenstand: 2:0 | 1294:1199 | +95
Gäste kämpfen sich im Mittelpaar zurück
Das Mittelpaar startete zunächst vielversprechend: Jan Hautmann (164) und Christoph Kaiser (155) legten stark los, konnten das hohe Niveau jedoch nicht über die gesamte Distanz halten. Hautmann kam am Ende auf solide 607 Kegel, musste sich jedoch knapp Florian Pfeffer (615) geschlagen geben. Christoph Kaiser (541) hingegen erlebte ab dem zweiten Durchgang einen gebrauchten Tag – Kopf hoch, genau dafür ist es ein Mannschaftssport. Fabian Vogel (583) nutzte die Gelegenheit und glich für die Gäste aus.
Zwischenstand: 2:2 | 2442:2397 | +45
Schlusspaar behält die Nerven
Plötzlich erschien auch die taktische Aufstellung der Gäste sinnvoll: Mit Thomas Pfeffer und Manuel Klier standen die stärksten Spieler im Schlusspaar. Lange blieb die Partie auf Messers Schneide. Nach 60 Würfen lag Michael Wehner knapp zurück, während Manuel Weiß eine knappe Führung behauptete. Im dritten Satz schien das Spiel zugunsten der Gäste zu kippen, der Vorsprung schmolz dahin. Doch im entscheidenden Moment zeigte der SC seine Klasse: Mit einem Vorsprung von 21 Kegeln ging es auf die letzte Bahn. Dort entwickelte sich ein hochklassiger Schlagabtausch, bei dem beide Teams alles in die Waagschale warfen. Am Ende behielt das SC-Duo die Nerven: Mit starken Schlussdurchgängen brachten sie den Sieg ins Ziel. Manuel Weiß (646) überzeugte erneut und entschied das Duell gegen Thomas Pfeffer trotz Kegelgleichheit nach Sätzen für sich. Michael Wehner (603) kämpfte sich trotz Schwächen im Abräumen durch und war im entscheidenden Moment voll auf der Höhe. Manuel Klier (615) verbuchte den dritten Mannschaftspunkt für die Gäste.
Endstand: 5:3 | 3691:3658 | +33
Ausgerechnet im 100. Jubiläumsjahr gelingt dem SC Luhe-Wildenau damit der ganz große Coup: In der kommenden Saison wird der Verein erstmals in der 1. Bundesliga auf Kegeljagd gehen!
Ein historischer Erfolg – getragen von Teamgeist, Leidenschaft und einer einzigartigen Gemeinschaft.