Christoph Preiß, Jahrgang 2001, erhielt schon im Alter von fünf Jahren Klavierunterricht, bevor er 2011 als Sänger bei den Regensburger Domspatzen aufgenommen wurde. Während seiner Gymnasialzeit war er Jungstudent bei Prof. Franz Josef Stoiber an der Hochschule für Kirchenmusik in Regensburg. Nach Abitur und Musik-Studium in Würzburg studiert er inzwischen in der Meisterklasse Orgel bei Prof. Dr. Martin Schmeding und Prof. Thomas Lennartz in Leipzig. Preise und Auszeichnungen hat er quer durch Deutschland bereits erhalten. Preiß ist – nach dem fulminanten Einweihungskonzert von Prof. Martin Sturm – der erste Organist, der in einer von Peter Donhauser und Sebastian Brandl zusammengestellten Konzertreihe die Zuhörer mit der Klangwelt der neuen Klais-Orgel in St. Georg weiter bekanntmachen darf. Gemäß dem vom Künstler gewählten Motto, „Per aspera ad astra“ (Über raue Pfade gelangt man zu den Sternen) begann das Konzert mit ernsten, schwierigen Themen und entwickelte sich hin zu unbeschwerten, optimistischen Inhalten. Den Ernst trugen Felix Mendelssohn-Bartholdys „Variations sérieuses“ (op. 54) bereits im Titel. Die ernsthafte konzentrierte Grundhaltung des Werks wurde hörbar durch die überragende Klaviertechnik von Christoph Preiß, der das anspruchsvolle Werk mühelos bewältigte. Die Streicher-, Flöten- und Zungenfarben der Orgel sowie ihre dynamische Spannweite verstärkten die innere Dramatik des Werkes. In den beiden Vertonungen des Chorals „Jesus Christus, unser Heiland“ von Johann Sebastian Bach (BWV 688 und 689) ließen die gute Akustik in St. Georg und die feine Abstimmung der Orgel die Werke transparent erscheinen. Preiß’ Interpretation ließ die polyphone Struktur leuchten. Christoph Preiß’ Improvisation mit dem Titel „Evocation“ (Hervorrufung, Heraufbeschwörung) vermittelte mit modernen Klängen und freitonalen Harmonien den Eindruck, als würde ein Sänger flehen, fragen, bitten. Die 12 Stücke für Orgel op. 59 von Max Reger sind Miniaturen, die eine Stimmung vorstellen. Daraus präsentierte Preiß zwei recht unterschiedliche, nämlich das Capriccio fis-Moll op. 59/10, das frech und witzig daherkommt, und die Melodia B-Dur op. 59/11, die sich meditativ und gesanglich getragen anschloss. Die Klangwärme des Instruments und seinen Farbenreichtum wusste Preiß bestens zu nutzen. Als abschließendes Werk präsentierte Christoph Preiß eine klar strukturierte Improvisation in drei Sätzen, in denen er sich jeweils an drei Liedern orientierte, die im Titel mit Sternen zu tun haben. Mit Klängen und Harmonien der Romantik schlug Preiß einen Bogen zurück zum Mendelssohn-Werk am Anfang, aber diesmal ins Positive, Hoffnungsvolle, auch ins Spielerische gewendet, so beispielsweise im zweiten Satz, der das Lied „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“ zitierte und umspielte und durch den fröhlichen Anklang an Kindergesang zur Meditation anregte. Im Finale steigerte sich die Improvisation dann zu einem Auskosten der Klangfülle, die jedoch auch im Tutti nie überlaut, sondern kraftvoll beherrscht rauschte. Das mit begeistertem Applaus bedachte, gut besuchte Konzert zeigte, dass auf der Klais-Orgel die weiche, süddeutsche Klangsprache ebenso möglich ist wie silbrig-strahlende Pracht.