Andreas Merl ist nicht nur Organist in St. Konrad Schwandorf-Ettmannsdorf, sondern seit vielen Jahren auch überregional durch diverse Auftritte bekannt. Mit seinem Konzert an der neuen Klais-Orgel in St. Georg Amberg nahm er aufs Kirchenjahr Bezug und schnitt sein Programm auf Christi Himmelfahrt und die Pfingstzeit zu. Mit großer technischer Souveränität und beeindruckendem Klangsinn machte er seine gedankliche Durchdringung des Inhalts der von ihm gespielten Werke hörbar und bescherte dem zahlreichen Publikum eine Entdeckung wieder neuer Klangwelten auf diesem hochklassigen Instrument.
Gleich beim ersten Stück, Nicolas de Grignys „Veni Creator”, bewies Andreas Merl, dass die Klais-Orgel auch französisch spricht. Die französischen Klangfarben wusste er überzeugend einzusetzen, unter anderem beim „Recit de Chalumeau”, bei dem das Register der „Schalmey” (statt des eigentlich geforderten Krummhorns) effektvoll zum Einsatz kam. Später im Programm erklang der Pfingsthymnus „Veni Creator Spiritus” ein weiteres Mal, nämlich in der Komposition des Oberpfälzers Eberhard Kraus; dessen „Hymnus in sechs Versen” bewegt sich in Zwölftontechnik um den Choral „Komm, heilger Geist” herum. Das sehr unkonventionell angelegte Stück wurde durch die Verbindung zum Choral dennoch verständlich.
Sowohl auf die Orgelgeschichte von St. Georg als auch auf das zurückliegende Osterfest bezog sich Merl mit den vier Versen über „Christ ist erstanden” aus dem Buxheimer Orgelbuch. In diesem Stil ist Musik von der damaligen Schwalbennestorgel im 15. Jahrhundert erklungen.
Das „Magnificat primi toni” von Dietrich Buxtehude musizierte Merl frei und fantasievoll als rauschenden Lobgesang, und in der „Fantasia” über „Freu dich sehr, o meine Seele” von Joh. Ludwig Krebs und dem Choralvorspiel zu „Schmücke dich, o liebe Seele” von J. S. Bach ließ er meisterlich die klangschönen Solostimmen der Orgel aufscheinen.
Bachs „Fantasie und Fuge g-Moll” (BWV 542) gestaltete Merl die Fantasie mit kräftigen Registern, die dem dramatischen Affekt Ausdruck verliehen. In der Fuge kehrte dann quasi göttliche Ordnung ein, die durch liebliche Flötenregister vermittelt wurde.
Andreas Merls freie Improvisation über das Himmelfahrtslied „Ihr Christen, hoch erfreuet euch, der Herr fährt auf zu seinem Reich” bildete den krönenden Abschluss des fulminanten Konzerts, der mit einem breit angelegten Freudengesang ausklang.