Sie wachsen auf Felsen, Baumrinden und am Boden – und werden oft übersehen: Flechten gehören zu den faszinierendsten Lebensgemeinschaften der Natur. Sie bestehen aus einem Pilz und einer Alge, die in enger Symbiose miteinander leben. Diese besondere Verbindung ermöglicht es ihnen, selbst extreme Lebensräume wie Felsen oder nährstoffarme Böden zu besiedeln. Bei einer gemeinsamen Exkursion des Vereins für Landschaftspflege, Artenschutz & Biodiversität (VLAB) und des Naturparks Steinwald konnten die Teilnehmer einige dieser kleinen Überlebenskünstler näher kennenlernen.
Unter der Leitung von Johannes Bradtka führte die Wanderung vom Napfberg bis zum Hohen Saubadfelsen. Das Wetter passte dabei perfekt zum Thema: Kurze Regenschauer, eindrucksvolle Wolkenformationen, frische Luft und angenehme Temperaturen sorgten für beste Bedingungen – nicht nur für die Flechten, sondern auch für die Wanderer.
Besonders beeindruckte die Teilnehmer die seltene Pustelflechte (Lasallia pustulata), die im Landkreis Tirschenreuth nur an ganz wenigen Standorten vorkommt. Ihre auffälligen Pusteln wirken wie kleine Schwämme und nehmen Feuchtigkeit aus Nebel und Tau auf. Während die Flechte bei Trockenheit grau und spröde erscheint, verwandelt sie sich nach einem Regenschauer innerhalb kurzer Zeit in ein sattes Olivgrün und startet wieder mit der Photosynthese.
„Flechten sind leider bis heute Stiefkinder des Naturschutzes, obwohl sie mit vielen anderen Arten in enger Wechselwirkung stehen“, erklärte Johannes Bradtka. „Von Erdflechten ernähren sich beispielsweise Feld- und Rötelmäuse. Diese wiederum sind eine wichtige Nahrungsgrundlage für Greifvögel, Eulen und andere kleine Beutegreifer. Wer Flechten schützt, stärkt deshalb ganze Lebensgemeinschaften.“
Zum Abschluss der Wanderung machte Bradtka deutlich, wie wichtig schonend bewirtschaftete Wälder mit alten Bäumen und Totholz sind. Sie bieten nicht nur Flechten, sondern zahlreichen weiteren Arten wertvolle Lebensräume und sind damit eine wichtige Grundlage für die biologische Vielfalt im Steinwald.