Was hat eine Dorfschullehrerin um das Jahr 1950 in Wutschdorf erlebt? Charlotte Heidrich - damals 28 Jahre alt - hat es aufgeschrieben. Der Heimat- und Kulturverein Freudenberg stellte jetzt das „Tagebuch einer Dorfschullehrerin” vor, die Aufzeichnungen von Charlotte Heidrich. Sie hat vor 75 Jahren notiert, was ihr in diesem Dorf aufgefallen ist, hat die Menschen porträtiert, denen sie begegnet ist, Bräuche und Dorftratsch aufgeschrieben. „Es ist ein Zeitdokument”, sagte HKV-Vorsitzender Uli Piehler bei einem kurzen Vortrag, der Fotos aus dieser Zeit und vertonte Ausschnitte aus dem Tagebuch enthielt. Charlotte Heidrich war alleinstehend und fremd im Dorf. Sie wurde am, 13. Februar 1923 in Leitmeritz an der Elbe (heute Litomerice) im Sudetenland (Tschechien) geboren. Sie sollte die Eisenwarenhandlung ihres Vaters übernehmen, studierte bis 1945 Wirtschaftswissenschaften in Prag. Am 21. Juni 1945 wurden sie vertrieben. Familie Heidrich flüchtete nach Bayern und landete in Amberg. An einem Baum in Amberg hing ein Plakat „Ausbildung zur Volksschullehrerin“. Nach einem Jahr Ausbildung erhielt sie 1948 ihre erste Stelle in Wutschdorf. Beim „Langerwieser” bezog sie ein Zimmer, drei mal zwei Meter groß, neben der Küche. Sie war bis 1951 in Wutschdorf. Die Dorfschullehrerin berichtet, wie schwer es ihr fiel, zu akzeptieren, dass die Kinder eher zum Kühe-Hüten geschickt wurden, als in den Unterricht. Sie beschreibt eine Fronleichnamsprozession und ihre einzelnen Teilnehmer, erzählt von Festen und Feiern im Dorf und von verschiedenen Bräuchen. Auch Sagen, die ihr die alte „Langerwieserin” erzählt hat, hat sie aufgeschrieben. Der Vortrag war gut besucht, eine Wiederholung wurde angeregt.