Der Eichenhain mit den zwölf Sternen in der Mitte ist zu einem Begegnungsort geworden. (Bild: Roswitha Zeitler)

Warum der Stier und der Sternenkranz für Europa stehen

Sehr gut besucht war der Ausflug des Heimat- und Kulturvereins Freudenberg nach Etsdorf. Zuerst stand der Besuch der Helme-Heine-Ausstellung im Europa-Museum auf dem Programm. Der berühmte Grafiker und Kinderbuchautor Helme Heine (verstorben im November 2025) hat extra für das Europa-Museum Zeichnungen angefertigt, die sich mit dem Zusammenwachsen des Kontinents und Europas Stellung in der Welt beschäftigen. Dabei griff er auf die Symbolik der Tiere zurück, die für die Weltteile stehen: für Europa verwendete er den Stier, für die USA den Adler, für Russland den Bären und für China den Drachen. Der Stier hat es in Helme Heines Zeichnungen nicht immer leicht. Für so manches andere Wappentier ist er nichts anderes als Freiwild oder Beute. Trotzdem besteht der Stier, er ist einerseits friedliebend und flößt andererseits Respekt ein. Auch um die Symbolik der Europfahne ging es. Die zwölf goldenen Sterne auf blauem Grund haben ihren Ursrprung in der Darstellung der Gottesmutter Maria mit dem Sternenkranz. Durch die Führung führten Wilhelm Koch und Uli Piehler. Anschließend fuhren die Teilnehmer hinauf zum Europa-Tempel. In der Abendsonne kam das Baukunstwerk besonders schön zur Geltung. Die zwölf blauen Sterne in der Mitte des Eichenhains luden zum Verweilen ein. Hier erzählte Wilhelm Koch, wofür dieser Ort in der Mitte Europas steht: für Frieden, Freiheit und Demokratie, für Einheit in Vielfalt und für das Miteinander der Menschen aus allen europäischen Ländern.
Der Duft von frisch gebackenem Brot zog durch Wutschdorf, das freute viele Gäste aus Nah und Fern. (Bild: Ina Piehler)

Backofenfest in der Molzmühle wieder eine rundum gelungene Sache

Am Feiertag Christi Himmelfahrt hat der Heimat- und Kulturverein (HKV) Freudenberg wieder sein Backofenfest gefeiert. Schon am frühen Morgen schürte das Helferteam des HKV den Backofen im historischen Molzmühl-Anwesen in Wutschdorf an. Um 9 Uhr schossen Martin Wiederer und Sebastian Schwarz die ersten 50 Teiglinge ein. Dieser Vorgang wiederholte sich gegen 11 und gegen 14 Uhr, so dass der Backofen den ganzen Tag über in Betrieb war. Immer, wenn die frischen Brote aus dem Ofen geholt worden sind, nutzten die Helfer die Restwärme, um noch Zwiebelkuchen zu backen. Heuer spielte das Wetter nicht ganz so mit, es war relativ kühl und regnete mehrmals zwischendurch. Daher suchten sich viele Gäste in den Innenräumen der Mühle Platz. Dort wurde es Stunde für Stunde gemütlicher, auch weil Gerhard „Bifi” Köbler zusammen mit etlichen anderen Musikanten aus dem Dorf und der Umgebung Musik machte. Jung und Alt kam da zusammen, um gemeinsam zu singen. Im Hintergrund trugen viele Mitglieder des Vereins zum Gelingen bei, insbesondere die Mädchen aus der Garde. Die Frauen Union Freudenberg wartete mit einem reich bestückten Kuchenbuffet auf. Schön war auch, dass viele andere Vereine ihre Verbundenheit zum Ausdruck brachten, von der KLJB über die Kirwaburschen, die Bauernbühne bis hin zum Lintacher Dorf- und Kulturverein. Besonderer Dank gilt der Bäckerei Ries, den Nachbarn der Molzmühle für das entgegengebrachte Wohlwollen und dem Eigentümer des Anwesens, Martin Nagler, für die Unterstützung.
Das Bild zeigt eine Schulklasse 1948 in Wutschdorf. Rechts hinten die Lehrerin Charlotte Heidrich. (Bild: Karl Männer)

Zeitdokument beim Kulturverein: Aus dem Tagebuch einer Dorfschullehrerin

Was hat eine Dorfschullehrerin um das Jahr 1950 in Wutschdorf erlebt? Charlotte Heidrich - damals 28 Jahre alt - hat es aufgeschrieben. Der Heimat- und Kulturverein Freudenberg stellte jetzt das „Tagebuch einer Dorfschullehrerin” vor, die Aufzeichnungen von Charlotte Heidrich. Sie hat vor 75 Jahren notiert, was ihr in diesem Dorf aufgefallen ist, hat die Menschen porträtiert, denen sie begegnet ist, Bräuche und Dorftratsch aufgeschrieben. „Es ist ein Zeitdokument”, sagte HKV-Vorsitzender Uli Piehler bei einem kurzen Vortrag, der Fotos aus dieser Zeit und vertonte Ausschnitte aus dem Tagebuch enthielt. Charlotte Heidrich war alleinstehend und fremd im Dorf. Sie wurde am, 13. Februar 1923 in Leitmeritz an der Elbe (heute Litomerice) im Sudetenland (Tschechien) geboren. Sie sollte die Eisenwarenhandlung ihres Vaters übernehmen, studierte bis 1945 Wirtschaftswissenschaften in Prag. Am 21. Juni 1945 wurden sie vertrieben. Familie Heidrich flüchtete nach Bayern und landete in Amberg. An einem Baum in Amberg hing ein Plakat „Ausbildung zur Volksschullehrerin“. Nach einem Jahr Ausbildung erhielt sie 1948 ihre erste Stelle in Wutschdorf. Beim „Langerwieser” bezog sie ein Zimmer, drei mal zwei Meter groß, neben der Küche. Sie war bis 1951 in Wutschdorf. Die Dorfschullehrerin berichtet, wie schwer es ihr fiel, zu akzeptieren, dass die Kinder eher zum Kühe-Hüten geschickt wurden, als in den Unterricht. Sie beschreibt eine Fronleichnamsprozession und ihre einzelnen Teilnehmer, erzählt von Festen und Feiern im Dorf und von verschiedenen Bräuchen. Auch Sagen, die ihr die alte „Langerwieserin” erzählt hat, hat sie aufgeschrieben. Der Vortrag war gut besucht, eine Wiederholung wurde angeregt.
Stefan Voit (links) und Thomas Bäumler bei der Autorenlesung in der Molzmühle. (Bild: Ina Piehler )

„Gerti und die toten Meister”: Krimilesung in der Molzmühle

Sie haben es wieder getan: Stefan Voit und Dr. Thomas Bäumler sind zu einer Krimilesung in die Molzmühle nach Wutschdorf gekommen. Dr. Thomas Bäumler ist im Hauptberuf Frauenarzt in Neustadt an der Waldnaab, nebenbei schreibt er leidenschaftlich gerne Krimis mit regionalem Bezug. Diesmal stellte er sein neues Werk „Gerti und die toten Meister“ vor. Im Zentrum des Krimi steht die Psychologin oder Therapeutin Gerti Zimmermann, deren Leben gemeinsam mit dem des ermittelnden Hauptkommissars Franz Lederer „aus den Fugen gerät“. Auslöser ist eine neue Mordserie, bei der zwei prominente Künstler aus München und Wien eine zentrale Rolle spielen und schließlich tot sind – die „toten Meister“. Die Spur der Verbrechen führt von der Toskana bis in die nördliche Oberpfalz, genauer zum geplanten KI‑Zentrum im ehemaligen Kloster Speinshart. Die Lesung war spannend und bot auch einen Blick hinter die Kulissen: Wie ist das, wenn ein Frauenarzt Krimis schreibt? Dr. Thomas Bäumler schreibt manche Ideen auch in seiner Praxis nieder. Zuhause am Schreibtisch entsteht die ganze Geschichte. Bäumler ist seit etwa 2013 literarisch aktiv, zudem engagiert er sich in seiner Freizeit als Heimatforscher und ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger. Bisher hat er sieben Regionalkrimis geschrieben, der acht ist bereits in Arbeit. Der Kulturjournalist Stefan Voit aus Weiden moderierte den Abend.

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