Schwandorf 1988 – ein rechtsextrem motivierter Brandanschlag fordert vier Menschenleben. Was bleibt, ist die Erinnerung.
Das Berufliche Schulzentrum Neustadt begrüßte das OVIGO Theater, das mit dem eindrucksvollen Stück „SAD 88“ an die Ereignisse der Nacht vom 17. Dezember 1988 in Schwandorf erinnerte. Damals legte ein 19-jähriger Täter mit rechtsextremistischem Hintergrund im sogenannten „Habermeierhaus“, in dem unter anderem Gastarbeiter wohnten, Feuer. Er entzündete Pappkartons im Treppenhaus. Die Flammen breiteten sich rasch über die hölzerne Treppe im gesamten Gebäude aus. In den Rauchschwaden kamen vier Menschen ums Leben: Osman Can, Fatma Can, Mehmet Can und Jürgen Hübener. Die Schauspieler Florian Wein und Lisamarie Berger vermittelten die Geschehnisse eindrucksvoll in der Aula der Schule. Auf einer Leinwand ergänzten Bilder und Filmausschnitte aus der Tatnacht und danach die Aufführung. Zudem kamen unter anderem Stadträte, der ehemalige Berufsschullehrer des Täters sowie Schwandorfer Bürgerinnen und Bürger zu Wort. Die Kulisse war bewusst schlicht gehalten: Eine Leinwand, zahlreiche Pappkartons und Aktenordner mit Dokumenten, Urteilen und Forderungen bildeten den Rahmen der Inszenierung. Die teilnehmenden Klassen waren bereits im Unterricht inhaltlich auf das Theaterstück vorbereitet worden. Während der Aufführung verfolgten die Schülerinnen und Schüler das Geschehen aufmerksam und in großer Stille. Ziel des OVIGO Theaters ist es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Rechtsextremismus kein fernes Problem ist, sondern auch direkt vor unserer Haustür existiert. Neben dem Anschlag in Schwandorf griff das Ensemble weitere Beispiele rechtsextremistischer Gewalt und Ausgrenzung auf. Besonders bewegend war das Ende des Stücks: Die Tochter der Familie Can, die bei dem Anschlag ihre Angehörigen verlor, kam mit ihren Worten zu Wort. Ihre Frage blieb unbeantwortet und hallte nach: „Warum hat der Täter so gehandelt? Er hat mir meine Familie genommen. Meine Familie ist nun weg.“ Ein besonderer Dank gilt der Stiftung „Neustadt lebt Demokratie“ sowie der Volkshochschule, die die Aufführung maßgeblich finanziell unterstützt haben.