Am ersten Juli-Sonntag machten sich 32 wanderbegeisterte Personen, darunter sechs Kinder, in Fahrgemeinschaften auf dem Weg von Eslarn nach Steinlohe bei Tiefenbach zur Wallfahrtskirche „Unsere Liebe Frau“. Diese geschichtsträchtige Kapelle, die im Jahr 1845 erbaut wurde und seit jeher das Bildnis der schmerzhaften Gottesmutter behütet, diente als Startpunkt einer Wanderung des OWV-Zweigvereins Eslarn. Wanderwart Hubert Ach aus Oberlangau wollte mit den Teilnehmern nicht nur die schöne und reiche Natur des Grenzgebiets bewandern, sondern sich auch auf den Spuren eines verschwundenen Dorfes im Böhmerwald begeben und deren Geschichte beleuchten. Ziel war die Ausgrabungsstätte Grafenried (cz: Lucina).
Nach 1,5 Kilometern Wegstrecke kam die Wandergruppe am Weiler Mühlhäuser vorbei, dort wurde der Mühlbach, der einst die Grenze zum Böhmerland markierte, überquert und schließlich führte der Weg weiter zu den verlassenen Siedlungen Anger, Seeg, Haselbach und letztendlich Grafenried.
In Grafenried teilten sich die Wanderer in mehrere Gruppen auf und besichtigten die Ausgrabungsstätten, die seit 2011 zu bestaunen sind.
Grafenried stand an einer kleinen Anhöhe in der Nähe der deutschen Grenze (heute Grenzübergang Untergrafenried) westlich von Nemanice (deutsch: Wassersuppen). Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde die Bevölkerung vertrieben und das Dorf vernichtet. Die Kirche St. Georg stand noch bis in die 70er Jahre, wurde dann aber ebenso zerstört.
Auf Initiative eines ursprünglichen Bewohners, sowie Historiker auf deutscher und tschechischer Seite, wurden im Jahr 2011 die Überreste der Kirche teilweise freigelegt und pietätvoll renoviert. Seit 2012 wurden auch der ehemalige Pfarrhof, das Dorf-Gasthaus und die Brauerei ausgegraben. Deren Grundmauern konnten ebenfalls besichtigt werden. Die kleinen und großen Erkunder bestaunten auch akribisch die vorhandenen Kellergänge.
Den ausführlichen Schilderungen von Wanderwart Hubert Ach lauschten alle Teilnehmer gespannt und interessiert. Das Dorf Grafenried hatte vor der Zerstörung 48 Hausnummern, darunter befanden sich neben der besagten Kirche auch weitere Einrichtungen, wie Friedhof, Schule, Gemeindehaus, Schmiede, Wagnerei, Bäckerei, Metzgerei, sowie etliche Bauernhöfe und Kleinhäusler, die ihr täglich Brot stets hart verdienen mussten. Jedes Anwesen wurde in Bild und Textform von den letzten Besitzern detailliert beschrieben und auf Infotafeln festgehalten.
Nach diesen geschichtlichen Erfahrungen machte sich die Gruppe auf dem Weg nach Untergrafenried zur Familie Schneider. Dort gab es neben der Hofbesichtigung auch die Gelegenheit, die hofeigene Schafzucht, sowie das Wildgehege zu bestaunen. Während die Kinder sich kaum vom Anblick des Rotwilds trennen konnten, wurde die Wandergruppe von Wilhelm Schneider mit Schnaps und selbstgebrautem Kommunbier vom Eslarner Kommunbrauhaus verköstigt.
Anschließend führte der Weg zurück nach Steinlohe, hier kehrte die Wanderschar im Gasthaus „Zum Deutschen Eck“ ein, das sich seit 1909 im Familienbesitz befindet. Nach einem sehr interessanten und lehrreichen Nachmittag stärkten sich die Wanderer mit leckeren Brotzeiten und ließen den Tag bei guten Gesprächen in lustiger Unterhaltungsrunde ausklingen.
Erster Vorsitzender Peter Kirner dankte Wanderwart Hubert Ach für die Planung, Organisation und Durchführung dieser sehr spannenden Themenwanderung.