Maibaum, schmissige Blasmusik und kulinarische Genüsse lockten am 1. Mai bei sommerlicher Temperatur auf den Marienplatz. An den Tischreihen, die sich zunehmend füllten, herrschte erwartungsfrohe Stimmung. Alles harrte auf den Einzug des festlich geschmückten Maibaums, der erst in den frühen Morgenstunden im Stadtwald geschlagen und dann am Friedhofsweg „zubereitet“ wurde.
Wird der 1. Mai mancherorts als Tag der Arbeit, Tag der Arbeiterbewegung oder gar als internationaler Kampftag der Arbeiterklasse begangen, hat er in der Rußweiherstadt eher den Stellenwert eines kleinen Bürgerfests, garniert mit Gaumen- und Ohrengenüssen. Nicht nur die amerikanischen Mitbürger wissen die Festlichkeit, zu deren Spektakulum eben das Aufstellen des Maibaums gehört, zu schätzen. Sie denken dabei wohl weniger an den Ursprung dieses Feiertags im eigenen Land. Denn dort streikten am 1. Mai 1886 rund 400 000 Arbeiter in mehreren Städten und forderten die Einführung des Acht-Stunden-Tags. Erlebniswert hatte das Geschehen zwischen Pfarrkirche und Rathaus auch für 16 Schüler des Hronca-Gymnasiums der slowakischen Donaumetropole Preßburg, für die an diesem Tag der einwöchige Schüleraustausch mit dem örtlichen Gymnasium zu Ende ging.
Seit die „Pilots“ 1993 das Aufstellen des Maibaums übernommen haben, wurde das Zeremoniell geradezu zu einer Kultveranstaltung. Nur viermal stand das Frühlingssymbol, das auf den heidnischen Brauch zur Begrüßung des Frühlings und der Fruchtbarkeit zurückgeht, nicht auf dem Stadtplatz. Grund dafür waren Tiefbauarbeiten im Zuge der Altstadtsanierung und zwei Jahre Corona-Pause. Den Baumtransport hatte erneut Fabian Gradl mit seinem 15 PS-starken Fendt-Fix 1-Dieselross übernommen Zum nunmehr 32. Mal stemmten die Pilots das knapp 30 Meter lange Schmuckstück, geziert von 14 Wappenscheiben der Eschenbacher Vereine in die Höhe. Die Stadtkapelle begleitete das Geschehen mit vielen böhmischen Weisen wie „Böhmischer Traum“ oder „Kinder von der Eger“ und auch der Südtiroler „Nationalhymne“. Regen Zuspruch fanden Kuchen- und Grillspezialitäten. Kinder und auch so manche Mama trugen schmucke Blumenkränze.