Er ist lärmige „Kriegsspielwiese” für Soldaten aus vieler Herren Länder, aber auch „Himmel der Hirsche” und Zufluchtsort für Wölfe und Adler: Die zwei Seiten des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr stellte Gerald Morgenstern im Burkhardsreuther Jugendheim den rund 50 Besuchern seines Vortrags für den Ortsverein des Katholischen Frauenbunds vor.
„85 Prozent der Truppenübungsplatzfläche sind als Natura-2000-FFH-Schutzgebiet ausgewiesen”, informierte der pensionierte Stabsfeldwebel. Das Areal gelte als größtes Rotwildgebiet Deutschlands, seit Ende der 1980er Jahre würden dort Seeadler und seit 2016 Wölfe gesichtet, und auch Schwarzstörchen, Fischadlern und sogar Bekassinen, einer äußerst seltenen Vogelart, könne man begegnen. „Natur und Militär müssen kein Widerspruch sein, und Umweltbewusstsein wird bei der US-Garnison großgeschrieben”, urteilte Morgenstern. Hierbei kooperierten die Amerikaner mit Bundeswehr und Bundesforstbetrieb.
Ausführlich schilderte der Referent die Geschichte des Trainingsgeländes, die 1904 mit einer Standortentscheidung des bayerischen Heeres beginne. In dreijähriger Bautätigkeit habe man das erste „Lager” in fränkischem Fachwerkstil angelegt und 1910 eingeweiht: „Die noch erhaltenen Bauten aus jener Zeit, vor allem der 1909 errichtete Wasserturm, haben Grafenwöhr bei den Amerikanern zum Beinamen 'Rothenburg der Übungsplätze' verholfen.” Für das ursprünglich kleinere Übungsplatzgebiet habe der bayerische Staat vorwiegend Staatsforstgelände herangezogen und zehn Orte abgesiedelt. 1938 sei es nach Westen ausgeweitet worden, wobei die Nationalsozialisten die Einwohner weiterer 58 Ortschaften zynisch vor die Wahl gestellt hätten: „Wenn ihr nicht freiwillig geht, bekommt ihr Zeit, euch in einem Lager auf eure Pflicht zu konzentrieren.” Nach wie vor gebe es Pläne für die weitere Modernisierung der US-Garnison: „Die Amerikaner wissen, dass sie hier willkommen sind, und das vorherrschende Gefühl ist: It's better in Bavaria.”