Religions- und Ethikunterricht einmal anders: Genau das machte ein Besuch der 9. Jahrgangsstufe des HCA-Gymnasiums in der Synagoge von Weiden möglich. Werner Friedmann von der jüdischen Gemeinde in Weiden nahm sich viel Zeit, um den Gymnasiasten aus Sulzbach-Rosenberg die Lebensweise jüdischer Mitbürger näherzubringen.
Dabei machte Friedmann auch keinen Hehl daraus, mit welcher Motivation er derartige Führungen anbietet: Angesichts zahlreicher Formen von Antisemitismus in Vergangenheit und Gegenwart sei es ihm wichtig, Vorurteile abzubauen und zu zeigen, dass Juden ganz normale Menschen sind.
Eine jüdische Gemeinde entwickelte sich in Weiden erst Ende des 19. Jahrhunderts, als die Stadt an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde und dadurch einen wirtschaftlichen Aufschwung nahm, weswegen sich auch vermehrt Juden dort ansiedelten.
Diese neu entstandene Gemeinde errichtete auch eine Synagoge. Zur Zeit des Nationalsozialismus musste dieses Gebäude dann an einen benachbarten Bonbonfabrikanten verkauft werden und wurde umgebaut. Die Gemeinde erhielt das Gotteshaus erst nach dem Krieg zurück, so dass es seitdem wieder als Synagoge genutzt werden kann. Einzigartig in Europa ist laut Friedmann die aus dieser Zeit stammende Ausmalung des Betsaals, die ein Holocaust-Überlebender namens Julian Pfeiffer angefertigt hat.
Im zweiten Teil der Führung erläuterte Friedmann wichtige Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände der Synagoge: Dabei wurde auf die Mesusa am Eingang zum Betsaal ebenso hingewiesen wie auf verschiedene Arten von Leuchtern (Menora bzw. Chanukkia), Gebetsriemen (Tefillin) oder Gebetsmänteln (Tallit). Höhepunkt des Synagogenbesuchs war zweifellos ein Blick in den Toraschrein, der heute mehrere Torarollen, das Allerheiligste für das Judentum, enthält.
Was diesen Besuch zu einer unverzichtbaren Ergänzung des Unterrichts in der Schule machte, war der Umstand, dass Friedmann auf die zahlreichen Fragen der Schülerinnen und Schüler einging und dabei auch aufzeigte, wie er persönlich den jüdischen Glauben im Alltag lebt (z. B. am Schabbat). Dass dieser Alltag für Juden in Weiden nicht immer frei von Anfeindungen ist, dass selbst Synagogengottesdienste unter dem Schutz der Weidener Polizei abgehalten werden müssen und dass Juden zunehmend aus Angst vor Anfeindungen auf religiöse Symbole in der Öffentlichkeit verzichten, machte die Neuntklässler sehr betroffen.