Eslarn. Wenn in der Oberpfälzer Marktgemeinde am „Naschn Pfinsta“ der Wecker klingelt, weiß selbst der letzte Faschingsmuffel: Heute wird nicht gearbeitet – heute wird „ausgegraben! Und zwar nicht irgendein Schatz, sondern die „Fosnd“, was für Uneingeweihte so viel heißt wie „Fasching ausgraben“. Seit Jahrzehnten verwandelt sich der Ort nahe der Grenze in der Faschingszeit in eine kunterbunte Bühne. Zahlreiche Frauen schlüpfen in fantasievolle Kostüme – und die Männer? Nun ja, die „verstecken“ sich traditionell in prächtigen Frauenkleidern mit Vorbauten, die jeder Statikprüfung standhalten würden. In der fünften Jahreszeit ist eben alles möglich – selbst neue Körbchengrößen für gestandene Oberpfälzer. Damit das Spektakel auch den richtigen Klang bekommt, sorgen zwei musikalische Schwergewichte für Stimmung: die Jesse-James-Big-Band vom Sportzentrum und die „Schlutupers“ vom Böhmerwald. Wenn diese Formationen aufspielen, wackeln nicht nur die Notenständer, sondern gleich der ganze Marktplatz. Den Start in die fünfte Jahreszeit übernimmt der katholische Frauenbund mit einem bunten Frühstücksbuffet. Am Nachmittag strömen verkleidete Erwachsene, Jugendliche und Kinder – kurz gesagt: fast ganz Eslarn – auf die Straßen. Mit dabei: die „Zweigerler“ samt ihrem legendären Begleiter „Da Dotsch’n“ vom Tannenhof, eine geschniegelt kostümierte Schulklasse und sieben Dalmatiner mitsamt ihrer Dalmatiner-Lady, die vermutlich als einzige den Überblick über ihre Punkte behielt. Selbst die Arztpraxis öffnete ein Fenster zum Marktplatz. Statt Rezepten gab es dort ein „Aufmunterungs-Elixier“. Nicht nur Einheimische, auch Gäste aus umliegenden Gemeinden wollten sich das närrische Schauspiel nicht entgehen lassen. So verstärken Musiker bis aus Schwarzenfeld die Blaskapellen nach dem Motto: Wenn d’ Muse ruft, kommen Pauken und Trompeten freiwillig. Höhepunkt des Tages: Die beiden Musikgruppen ziehen – ganz traditionell – mit einem Pflug durch den Ort, um symbolisch den Fasching auszugraben. Pferde? Schnee von gestern! Heute übernimmt ein Traktor die schwere Arbeit. Fortschritt muss sein, selbst am unsinnigen Donnerstag. Mit 19 Musikern bei Jesse-James und 14 bei den Schlutupers ergibt das geballte 33 Mann - kurz Blasmusik-Power. An feuchtfröhlichen Haltestellen – darunter die Prochers am Bahnhof, die Brotzeitstelle beim Fahrservice Hopfner, die Physiotherapie Dimitri, die Banken und die Tagespflege der AWO – legen sie Rast ein. Für jedes Ständchen gibt’s Applaus und gelegentlich eine flüssige Motivation. Als sich schließlich alle 33 Musiker mit über 200 Zuschauern auf dem Marktplatz versammelten, wurde dieser kurzerhand zum größten Faschingssaal unter freiem Himmel erklärt. Aus sicherer Entfernung beobachtete eine kleine hübsche „Maus“ im roten Kleid mit weißen Punkten das Geschehen. Offenbar hatten sich die Krawattenträger rechtzeitig in Sicherheit gebracht, da die „echten Frauen“ kein Opfer ausfindig machen konnten. „Azapf ist!“, verkündete das Bauhofteam beim Gratis-Bierausschank vor dem Rathaus – drei Worte, die in Bayern mehr bedeuten als jede Regierungserklärung. Nach musikalischen Kostproben, ausgelassenem Tanz und reichlich Frohsinn zogen die beiden Gruppen schließlich wieder in entgegengesetzte Himmelsrichtungen davon – zurück zu ihren Hochburgen, begleitet von einem bunten Tross gut gelaunter Narren. Und so bleibt am Ende des Ausnahmezustandes eines klar: In Eslarn wird der Fasching nicht einfach gefeiert. Er wird ausgegraben, aufgeblasen, ausgeschenkt – und mit Pauken, Trompeten und jeder Menge Humor zelebriert.