Heurigenlokal oder Kaffeehaus? Stephan Schlögl gelingt das Zauberwerk, mit seinen Wiener Liedern den Seidelsaal in beides zugleich zu verwandeln. Bekannt ist der junge Tenor von den „Stimmen der Berge“, mit denen er regelmäßig in der Region gastiert. Aber auch solistisch begeistert er sein Publikum. Begleitet wurde er von der Pianistin Julia Vogl und Geigerin Veronika Pröbstl. Die beiden gaben den Liedern den instrumentalen Hintergrund, traten aber auch selbst ins Rampenlicht, um ihr virtuoses Können zu zeigen. Vogl traf mit dem 3. Satz aus Beethovens „Sturmsonate“ den Geschmack des Publikums, und Pröbstl erwies sich als „Teufelsgeigerin“, als sie Paganinis lyrisches „Cantabile“ spielte.
Als Begleiterinnen von Schlögl gelang es ihnen, seinen Gesang zu unterstreichen und vor allem auch einfühlsam auf seine schauspielerischen Einlagen einzugehen. Er sang seine Lieder nämlich nicht nur, sondern lebte sie. Hinreißend war „Ja, ja, der Wein ist gut“ von Franz Griebitz. Schlögl sang, trank seinen Wein und zeigte zunehmende Weinseligkeit, bis er sehr schief am Klavier hing.
Die Darbietung lebte von einem „kleinen Miniaturprater“, wie Schlögl die Gartenmöbel auf der Bühne nannte. Da konnte er seinen Heurigen trinken, über Begegnungen mit schönen Mädeln nachdenken, den blauen Himmel über Wien genießen.
Lieder von Robert Stolz und Fritz Kreisler, Operettenmelodien von Emmerich Kálmán und Ralph Benatzky sang Schlögl mit seinem schönen, warmen Tenor und bester Textverständlichkeit. Das wäre vielleicht gar nicht nötig gewesen, denn die Besucher kannten die Lieder und sangen, wenn Schlögl sie dazu aufforderte, die Refrains mit. Er flirtete mit den Damen im Publikum, die Walzerklänge packten alle, so dass überall die Füße im Takt wippten. So war dieser Abend der leichten Muse ein wunderbarer romantischer Ausflug an die Donau.