Die Bibel enthält viele Erzählungen, die für den heutigen Menschen nur schwer verständlich sind. Standen Adam und Eva wirklich unter dem Apfelbaum, wandelte Jesus über das Wasser? Diesen und weiteren Fragen ging Diplomtheologe Wolfgang Stöckl, bis vor kurzem zuständig für die Erwachsenenbildung in der Diözese, bei seinem Vortrag beim Männerverein im Jugendwerk nach. Zuerst betrachtete er die Entstehung der Bibel. Sie ist kein einheitliches Werk, sondern besteht aus unterschiedlichen Schriften von verschiedenen Verfassern, die im Laufe von über 1000 Jahren entstanden sind. Die Glaubwürdigkeit der jeweiligen Schreiber erweist sich aus der Tatsache, dass alle Texte des Neuen Testaments einen für geschichtliche Quellen sehr engen zeitlichen Zusammenhang haben und in ihrer Intention immer dasselbe Ziel angeben: Jesus Christus als Sohn Gottes und Erlöser zu verkünden. Dass die biblischen Texte im Laufe der Jahrhunderte nicht verfälscht worden sind, belegt die Jesajarolle aus Qumran, die um 180 v. Chr. entstand. Sie deckt sich bis auf geringe Abweichungen mit einer vollständigen hebräischen Bibelhandschrift aus dem Jahr 1008 n. Ch. Die Wundererzählungen des AT sind nicht immer wörtlich zu verstehen. Es geht immer um die Grundaussage des Textes. Die Vertreibung aus dem Paradies will zeigen, dass der Mensch sich in seiner Überheblichkeit immer wieder selbst schädigt. Die Bibelwissenschaft des NT geht eindeutig davon aus, dass Jesus Wunder gewirkt hat. Ob alle Wunder in der beschriebenen Weise sich ereignet haben, ist nicht belegbar. Dem auf die Allmacht Gottes vertrauenden Gläubigen sind die genannten Ereignisse durchaus glaubwürdig, sowie es auch bis heute immer wieder wissenschaftlich anerkannte Wunderheilungen gibt. Im Anschluss an den Vortrag stellte sich der Referent den zahlreichen Fragen des Publikums.