Zu einem Gang durch einen bewegten Abschnitt der örtlichen Zeitgeschichte führte der „Ausflug” der Seniorengemeinschaft. Ziel war die Ausstellung „Barackenleben – Reicharbeitsdienst& Flüchtlingslager” des Heimatvereins im Kulturhof Taubnschuster. Die rege Teilnahme zeigte, dass den älteren Eschenbachern die Existenz des ehemaligen Lagers zwar noch bekannt, dessen „Innenleben” jedoch weitgehend unbekannt ist.
Es herrschte Informationsbedarf, dem Karlheinz Keck abhalf. Er lenkte die Aufmerksamkeit der Besucher schrittweise auf die zeitgeschichtlichen Dokumente und textlichen Ergänzungen der Ausstellung, erinnerte an die 1935 zur Überwindung der Arbeitslosigkeit eingeführte sechsmonatige Dienstpflicht für alle männlichen Jugendlichen und vermittelte vor reich bebilderten Wandtafeln einen Rückblick auf das Geschehen bei den „Soldaten der Arbeit” bis 1939, den „Arbeitsmaiden” bis 1942 und im anschließenden Wehrertüchtigungslager. „Als das Lager nach Kriegsende seine Bestimmung verloren hatte und leer stand, bot es Flüchtlingen aus Ostpreußen, Schlesien und dem Sudetenland eine zum Teil mehr als zehnjährige Unterkunft.” Diese Aussage verband Keck mit Detailangaben zu den ursprünglich extrem einfachen Wohnverhältnissen. Die Baracken, in denen der „Wohnraum” der Familien nur mit Tüchern abgegrenzt wurde, waren in einer ersten Maßnahme durch einfache Holzwände unterteilt worden. Besondere Aufmerksamkeit erregte eine der Seniorinnen vor dem Modell des Lagers mit ihrem Hinweis: „Hier wurde ich geboren.” In den Aufenthaltsstuben des Taubnschusters war eine reichhaltige Kuchentheke vorbereitet. Die Eindrücke der Ausstellung gaben Anlass zu vertiefenden Gesprächen und zu Ankündigungen, der noch bis 25. Oktober geöffneten Ausstellung nochmals einen Besuch abzustatten.