Echte heimatliche Themen sind sehr beliebt und finden immer mehr Zuspruch. Diese Erfahrung machte der Historische Club bei seiner jüngsten Veranstaltung im Egerland Kulturhaus, als es um das Thema: „Pechbrunn und die Eisenbahn“ ging. Nicht nur die Geschichte des ehemaligen Bahnhofs in Pechbrunn stand auf dem Programm, sondern auch die wirtschaftliche Bedeutung des Bahn für das Stiftland.
Keinen besseren Referenten für die Thematik hätte man finden können als Volker Grunert, der in Groschlattengrün geboren wurde und in der Zwischenzeit ein neues Domizil in Marktredwitz gefunden hat. Er ist an der Universität in Bayreuth beschäftigt, aber sein Hobby und seine Vorliebe gelten der Heimatgeschichte. Er besticht durch Detailkenntnisse und hält sich des Öfteren in seiner früheren Heimat auf, um neue Erkenntnisse aufzunehmen und vor allem in Gesprächen mit Einheimischen, neue Einblicke zu gewinnen und zu verarbeiten. Viele Veröffentlichen über Pechbrunn und Groschlattengrün sind eine wahre Fundgrube für geschichtlich Interessierte.
Der Referent eröffnete einen Vortrag mit einer kurzen Darstellung des Eisenbahnbaues in Bayern im 19. Jahrhundert. Er betonte dabei die außerordentliche Bedeutung der Eisenbahn für Aufschwung und Industrialisierung in den Landstrichen, die an den neuen Eisenbahnstrecken lagen. Sein Augenmerk lag dabei auf den Raum von Fichtelgebirge und Stiftland. Er stellte heraus, wie sich auch die Gründung des Deutschen Reiches 1871 letztlich auch auf den Bahnbau in unserem Raum auswirkte. Die 1882 eröffnete Eisenbahnverbindung von Wiesau nach Marktredwitz war letztlich entstanden, weil das bis dorthin als Knotenpunkt der Region fungierende Eger nun im Ausland lag.
An der neuen Strecke lag auch der Bahnhof Pechbrunn, der bis 1962 Groschlattengrün hieß.
Aus dem Jahr 1900 ist von diesem Bahnhofgebäude eine überregionale, ja deutschlandweite Geschichte überliefert.Sie firmiert unter der Bezeichnung „der verrückte Bahnhof“. Was war geschehen?
Der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke war notwendig geworden. Das Bahnhofgebäude stand dem Ausbau entgegen. Was tun? Abriss und Neubau oder Versetzung?. Man entschloss sich für Letzteres, da es galt eine Strecke von 10 Metern zu überbrücken. Eine wahrhaft ingenieurtechnische Meisterleistung wurde vollbracht. In geringer Zeit konnte der Bahnhof verschoben werden, ohne dass der tägliche Betrieb unterbrochen werden musste, ja sogar die Wohnungen im 1.und 2. Stockwerk voll intakt blieben. Der Vorgang fand Bewunderung, nicht nur bei den Einheimischen, sondern auch bei Gästen, die zahlreiche gekommen waren.
Die Bedeutung des Bahnhofes hatte für die Entwicklung von Pechbrunn eine enorme Bedeutung. Erst durch den Bahnhof wuchs die Ortschaft, man gewann Industriebetriebe und wurde schließlich Gemeindesitz. Allerdings setzte in den 1970er Jahren ein langsamer Niedergang ein.
Mit vielen Bildern und Skizzen machte Volker Grunert die Veränderungen von Ort und Bahn anschaulich. Auch die Verlegung der Bahnsteige,den Rückbau von Gleisanlagen und Einrichtungen, den Abriss von Bahnhofsgebäuden und Schotterverladung in den Jahren nach 2000 führte er den Zuhörern vor Augen. Der Vortrag schloß mit einem Ausblick auf die in der Zukunft zu erwartende Elektrifizierung des Bahnstrecke; dabei sind auch für den Bahnhof und für die Gemeinde weitere Veränderungen zu erwarten.