Digitale Medien sind heute überall verfügbar, doch für Kinder birgt der unbegrenzte Zugang große Gefahren. Beim Elternabend des Kindergartens St. Martin mit Krippe am 9. Juni 2026 machte die Erziehungsberaterin Renate Pielmeier (KEB) deutlich, dass Eltern sich beim Medienkonsum informieren müssen und klare Grenzen setzen müssen. Da sich die digitale Welt rasant entwickelt, fehlen langfristige Erfahrungswerte, was den Umgang mit den digitalen Medien und deren Kontrolle erschwert.
Risiken für Körper und Geist
Die Expertin warnte vor den massiven Folgen zu hoher Bildschirmzeiten. Neben Haltungsschäden, Übergewicht und Kurzsichtigkeit drohen Kindern auch psychische Belastungen wie Schlafprobleme, Ängste, verminderte Konzentration und Spielsucht. Besonders alarmierend: Bei Vorschulkindern führt eine tägliche Bildschirmzeit von über einer Stunde nachweislich zu Defiziten bei der Sprachentwicklung und den sozialen Fähigkeiten. Pielmeier ermunterte die Eltern auch, die eigene Smartphone-Nutzung zu hinterfragen („Technoferenz“). Zum einen agieren sie automatisch als Vorbild, zum anderen fehlt den Kindern die notwendige Aufmerksamkeit bei Interaktionen, da die Eltern oftmals noch nebenbei ihr Mobiltelefon bedienen.
Klarheit durch das 4-Säulen-Modell
Da Kinder bis zum Ende der Grundschule Fiktion und Realität nicht sicher unterscheiden können, ist das Internet für sie ein ungeschützter Raum, der mit vielfältigen Gefahren verbunden ist. Daher empfiehlt die Expertin ein konsequentes Handeln durch vier Säulen: Klarheit durch Wissen, Reduzierung der Medienzeit, klare Absprachen und unverhandelbare, feste Regeln. Eltern sollten sich dabei nicht durch Ausreden wie „alle anderen dürfen aber“ verunsichern lassen.
Konkrete Richtwerte und positive Nutzung
Als feste Orientierung für den Alltag wurden folgende Bildschirmzeiten empfohlen:
• 0–3 Jahre: 0 Minuten (Hörmedien: max. 30 Min.)
• 3–6 Jahre: maximal 30 Minuten gemeinsam mit Eltern (Hörmedien: max. 45 Min.)
• 6–10 Jahre: maximal 45 bis 60 Minuten gemeinsam mit Eltern (Hörmedien: max. 60 Min.)
Fernseher und Computer gehören laut der Referentin nicht ins Kinderzimmer; auch ein eigener Internetzugang im Grundschulalter sollte tabu sein. Stattdessen helfen feste Medienzeiten, Verträge oder Bildschirmzeit-Apps.
Gleichzeitig betonte Pielmeier, dass Medien nicht grundsätzlich schlecht sind, sondern als „Werkzeug“ – etwa für Foto-Safaris, Lern-Apps oder das Drehen eigener Videos – durchaus positiv genutzt werden können. Wichtig sei, dass Eltern die Apps und Spiele vorab selbst testen und mit ihren Kindern aktiv im Gespräch bleiben.