Sucht, Einsamkeit und Demenz – drei Themen, über die man vielleicht nicht immer gerne spricht, die aber viele Menschen unmittelbar betreffen. Genau deshalb hat Präventionslotsin Susanne Martin von der Sorgenden Gemeinde Weiherhammer gemeinsam mit SEGA e.V. eine dreiteilige Vortragsreihe auf die Beine gestellt. An drei aufeinanderfolgenden Abenden wurde informiert, diskutiert, gelacht und vor allem eines deutlich: Wissen kann Ängste nehmen und dazu ermutigen, selbst aktiv zu werden.
Den Auftakt machte am Dienstag, 25. August, der Vortrag „(Un)Abhängig im Alter – aber wie?“. 15 Zuhörerinnen und Zuhörer im Alter von 55 bis 88 Jahren waren in die Aula der Mittelschule Weiherhammer gekommen und folgten aufmerksam den Ausführungen von Marina Schmidt (GKS Oberpfalz / SEGA e.V.).
Dabei ging es längst nicht nur um die bekannten Suchtmittel wie Alkohol oder Drogen. Schmidt zeigte anhand von Statistiken auch weniger offensichtliche Formen von Abhängigkeit auf – beispielsweise Internet-, Zucker- oder Sportsucht. Gemeinsam mit den Teilnehmern wurde der Frage nachgegangen: „Wann bin ich denn überhaupt süchtig?“ Auch Verhaltensveränderungen und körperliche Anzeichen, die Hinweise auf ein mögliches Suchtverhalten geben können, wurden thematisiert.
Mit einem Augenzwinkern warnte Schmidt: „Bitte gehen Sie jetzt aber nicht mit dieser Liste durch die Nachbarschaft und diagnostizieren Sie die Nachbarn.“ Die Aufstellung solle vielmehr als Leitfaden dienen, um mögliche Veränderungen wahrzunehmen und gegebenenfalls ein schwieriges Gespräch auf einer sachlichen und objektiven Ebene beginnen zu können. Ein reger Austausch schloss sich dem Vortrag an, Fragen aus dem Publikum wurden direkt aufgegriffen.
Am Mittwoch, 26. August, stand die Einsamkeit im Mittelpunkt. 21 Bürgerinnen und Bürger aus Weiherhammer und dem Umland zwischen 57 und 88 Jahren kamen zum Vortrag „Zusammen ist man weniger allein? – Wege aus der Einsamkeit im Alter“ von Elfriede Weickart (SEGA e.V.).
Weickart machte deutlich, dass Einsamkeit nicht unbedingt etwas mit der Anzahl der Menschen um einen herum zu tun hat: Man kann in einer großen Gruppe einsam sein und sich andererseits allein durchaus pudelwohl fühlen. „Einsamkeit sucht man sich nicht aus – Alleinsein kann auch befreiend sein!“
Gemeinsam wurden Risikofaktoren betrachtet. Ein voller Terminkalender, die Pflege eines Angehörigen, die kaum noch Zeit für sich selbst lässt, oder auch die Scham, sich nach langer Zeit wieder bei jemandem zu melden, können dazu führen, dass Kontakte abbrechen. Viele Zuhörer erkannten sich in diesen Situationen wieder.
Der Blick ging jedoch schnell in Richtung Lösung: Wie lässt sich Einsamkeit verhindern? Hier konnte Weickart unmittelbar den Bogen zu den Angeboten der Sorgenden Gemeinde Weiherhammer schlagen. Wo gute Voraussetzungen für Begegnungen geschaffen werden, können Vorträge, Bewegungsangebote und andere gemeinsame Aktivitäten helfen, Kontakte aufzubauen und zu pflegen.
Mit einer einfachen Bitte verabschiedete Weickart die Teilnehmer: „Lächeln Sie die Menschen, die Ihnen auf der Straße begegnen, an. Das wirkt manchmal Wunder!“ Und passend dazu endete der Abend mit den Klängen von Katja Ebsteins „Wunder gibt es immer wieder“ – bei dem viele Besucher spontan und aus vollem Herzen mitsangen.
Den Abschluss bildete am Donnerstag, 27. August, das Thema „Demenz – nur vergesslich oder mehr?“. 22 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden sich dazu in der Aula ein. Sonja Oleson (SEGA e.V.) nahm sich eines Themas an, das bei vielen Menschen Ängste auslöst – und setzte genau dort an: „Wir möchten das Tabu brechen, über solche Themen zu sprechen. Wer informiert ist und weiß, wie man demenzielle Erkrankungen hinauszögern kann, hat auch keine Angst mehr davor.“
Mit einem anschaulichen Bild verglich Oleson das Gehirn mit einer Postzentrale und erklärte damit verständlich die verschiedenen Formen von Demenz und welche Bereiche jeweils betroffen sein können. Die bildhaften Beispiele sorgten dabei nicht selten für einen Schmunzler und machten komplexe Vorgänge greifbar.
Doch was kann jeder selbst tun? Gehirnjogging, Lesen, Neues lernen, soziale Kontakte von Angesicht zu Angesicht, Bewegung und Muskelkräftigung gehören zu den täglichen „Energielieferanten“ unseres Gehirns. Auch ausreichend Flüssigkeit spielt eine wichtige Rolle. Wer zu wenig trinkt, kann unter Umständen Symptome entwickeln, die einer Demenz ähneln können.
Viele Zuhörer nickten zustimmend – nicht zuletzt, weil einige bereits die Bewegungsangebote zur Demenzprävention in Weiherhammer kennen. Genau diese Verbindung aus geistiger Herausforderung, körperlicher Aktivität und sozialem Austausch wird auch im nächsten Bewegungskurs wieder aufgegriffen. Am 22. September 2026 startet ein neuer Kurs, bei dem das Gehirn mit abwechslungsreichen Aufgaben gefordert wird. Denn, so Oleson mit einem Augenzwinkern: „Das liebt unser Gehirn!“
Auch das Lachen kam an diesem Abend nicht zu kurz. Es sei eines der gesündesten Dinge, die man tun könne: Es bringt Herz und Kreislauf in Schwung, belüftet die Lunge und tut Kopf und Seele gut. Nach dem Vortrag wurden noch zahlreiche Fragen beantwortet. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzten anschließend die Gelegenheit, persönlich bei Sonja Oleson vorbeizuschauen und sich für den gelungenen und motivierenden Vortrag zu bedanken.
Zum Abschluss bedankte sich Susanne Martin bei allen drei Referentinnen mit Blumen. Auch die jungen Helferinnen und Helfer, die bei allen drei Veranstaltungen die statistische Erhebung unterstützten, erhielten als Dankeschön eine kleine Aufmerksamkeit.
Für das kommende Jahr möchte Martin die erfolgreiche Zusammenarbeit mit SEGA e.V. fortsetzen und erneut ein wichtiges Thema der seelischen Gesundheit im Alter aufgreifen. Die drei Abende haben gezeigt: Wer sich informiert, miteinander ins Gespräch kommt und aktiv bleibt, kann selbst viel für Gesundheit, Lebensqualität und ein selbstbestimmtes Älterwerden tun.
Gefördert wird das Projekt: Das Projekt „Präventions-Lotse (PL) für eine sorgende Gemeinde Weiherhammer“ (2025–2027) wird im Rahmen der Förderrichtlinie Gute Pflege in Bayern (GutePflegeFöR) durch das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) gefördert. Es ist aus dem gemeindlichen Demenz-Präventionsprojekt GESTALT (2021–2024) hervorgegangen. Die Projektleitung liegt bei der Lars und Christian Engel (LUCE) Stiftung im Rahmen des Projekts „Agil leben im Alter“ (ALIA).