Was für eine Stimme! Malia bringt den Seidelsaal mit ihrem ganz individuellen Cool Jazz zum Kochen. Mal klingt sie dunkel und erdig, dann vibriert ihre Stimme voll verlockender Sinnlichkeit, Augenblicke später macht sie ausgelassene Klangakrobatik die ganze Tonleiter rauf und runter.
Aber nicht nur sie Stimme ist ungewöhnlich. Schon der Auftritt der malawischen Künstlerin ist eine Überraschung. Sie stöckelt mit hohen, spitzen Lackschuhen auf die Bühne, zieht sie dann aber aus und ist den Rest des Konzerts barfuß. Das passt auch viel besser zu ihrer bodenständigen Art.
Nach dem ersten Lied bittet sie darum, doch das Licht über den Zuschauern anzumachen. Sie will nicht nur Applaus hören, sondern Gesichter sehen – kein Wunder, schließlich gab es vor dem Konzert rassistische Anfeindungen, und Malia will sichergehen, dass keiner dieser Hetzer im Saal ist. Die Sorge ist unbegründet. Die Besucher sind begeistert vom offenen, freundlichen Wesen der Künstlerin und vor allem von ihrem phantastischen Gesang.
Begleitet von Pianist Alexandre Saada singt sie ganz unterschiedliche Lieder. Mal jazzig, dann Blues, dann ihre Version von Popsongs und Filmliedern. Immer ist die Gestaltung tiefgründig, manchmal humorvoll, dann von unwiderstehlicher Leidenschaft geprägt oder getränkt mit abgrundtiefem Schmerz. Saada bleibt nicht nur im Hintergrund, sondern gibt mit seinen Soli einen andere Sicht auf das Lied. Großartig.
Abschluss und Höhepunkt ist „Dambala“, das sie mit enormer Kraft und Hingabe singt. Sie singt nicht nur mit Stimme und Körper, sondern mit der ganzen Seele. Aufwühlend besingt sie die Kraft der Erde und die machtvolle Verbindung aller Geschöpfe mit der Schöpfung. Die spirituelle Tiefe berührt die Zuhörer, die atemlos lauschen. Danach ist keine Steigerung mehr möglich. Malia nimmt ihre Schuhe und geht hinaus.