„Wie findet man einen guten Weg zwischen Reallife und Screenlife?“ – dieser hochaktuellen Frage widmete sich ein Informationsabend des OWV Moosbach im Vereinslokal Pfaröller. Auf Einladung von Diana Hochholzer konnte die Referentin Juliana Dotzler von der „Elternschmiede“ in Weiden gewonnen werden, die mit ihrer offenen und sympathischen Art rund 35 Kinder und Eltern schnell in ihren Bann zog.
Gleich zu Beginn machte Dotzler mit einer eindrucksvollen Zeichnung auf ein zentrales Problem aufmerksam: Ein Mensch, dargestellt als „Hund“, hängt an der Leine eines Smartphones. Die Botschaft dahinter war klar – viele Menschen sind heute stärker von ihrem Handy abhängig, als ihnen bewusst ist. „Man würde eher seinen Geldbeutel vergessen als sein Handy“, so der Vergleich der Referentin. Beispiele von unruhigen Menschen auf der Suche nach einer Steckdose oder ständig aufs Display blickenden Passanten sorgten im Publikum für zustimmendes Schmunzeln.
Nach diesem Einstieg präsentierte Dotzler aktuelle Zahlen zur täglichen Mediennutzung. Besonders erschreckend: Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren verbringen durchschnittlich bis zu 14 Stunden täglich mit digitalen Medien. Laut Studien gelten zudem über 600.000 Jugendliche bereits als mediensüchtig. Die Folgen reichen von psychischen Erkrankungen wie Depressionen bis hin zu Essstörungen und Mobbing.
Im weiteren Verlauf des Abends wurden die Teilnehmer aktiv eingebunden. Gemeinsam erarbeiteten Kinder und Erwachsene Vor- und Nachteile digitaler Medien, die auf einem Flipchart festgehalten wurden. Das Ergebnis zeigte: Chancen und Risiken halten sich zwar die Waage – doch gerade die versteckten Gefahren dürfen nicht unterschätzt werden.
Besonders eindringlich warnte Dotzler vor Risiken in Online-Spielen und sozialen Netzwerken. Plattformen wie Fortnite, GTA oder TikTok, um nur wenige zu nennen, würden immer wieder von Tätern genutzt, um Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufzunehmen. Oft geben sich diese zunächst als harmlose Spielpartner aus, um später gezielt Vertrauen aufzubauen. Zwei Teilnehmer veranschaulichten dies anhand eines realen Chatverlaufs, der die Anwesenden sichtlich bewegte.
Doch der Vortrag blieb nicht bei der Problemanalyse stehen. Dotzler gab auch konkrete Anregungen für den Alltag. Handyboxen, gegebenenfalls sogar abschließbar, handyfreie Zonen in der Wohnung oder bewusste Familienaktivitäten können helfen, den Medienkonsum zu reduzieren. Auch ein Trend unter jungen Erwachsenen wurde angesprochen: Immer häufiger lassen diese beim Ausgehen ihre Handys bewusst zu Hause, um den Moment ungestört zu erleben und nicht der Gefahr ausgesetzt zu sein, dass Erlebtes veröffentlicht wird.
Ein zentrales Fazit des Abends: Reale soziale Kontakte sind unverzichtbar. „Der Mensch braucht täglich mindestens 45 Minuten echten Blickkontakt“, so die Empfehlung der Referentin.
Zum Abschluss bedankte sich Diana Hochholzer im Namen des OWV Moosbach bei Juliana Dotzler für den kurzweiligen, teils erschütternden, aber durchweg informativen Vortrag und überreichte ein kleines Präsent. Der Abend habe eindrucksvoll gezeigt, wie wichtig ein bewusster Umgang mit digitalen Medien gerade in der heutigen Zeit ist.