„Kälber bilden das Fundament für eine erfolgreiche Milchviehhaltung“, so begrüßte vlf-Geschäftsführer Reinhold Witt die 40 Teilnehmer. Gesunde Kälber machen dem Milchviehhalter Freude und wenig Arbeit. In diesem Sinne hat Andreas Schmid vom vlf Weiden einen Kälbertag in Zusammenarbeit mit dem Staatsgut Almesbach organisiert und namhafte Referenten eingeladen.
Dr. Michael Schmaußer, Tierarzt aus Freising von der Praxis Bestandprobleme Bayern, informierte, wie ein Landwirt gesundheitliche Störungen frühzeitig erkennen kann, um eine Erkrankung zu verhindern oder zu lindern. Wichtig war ihm, dass im Notfall der Landwirt auch selbstständig Maßnahmen kompetent einleiten kann, die dem Kalb helfen bis der Tierarzt kommt.
Dr. Peter Zieger, der „Kälberblogger“ berichtete aus seiner Beratungspraxis und seinen weltweiten Erfahrungen. Gute Lüftung und ausreichend Platz, also mindestens 5 Quadratmeter pro Kalb – und ad-libitum-Fütterung sind eine gute Basis für eine erfolgreiche Jungviehaufzucht. Tiere, welche die erste Aufzucht ohne Erkrankung und mit Zunahmen über 1.200 g pro Tag überstehen, geben später als Milchkuh bis zu 1.000 l mehr Milch.
Dr. Gregor Sigl von der Firma MSD informierte über das digitale Herdenmanagementsystem SenseHub. Ein Ohrsensor, der bereits in den ersten Lebenstagen angebracht wird, überwacht die Bewegungsaktivität, das Wiederkauen und das Nuckeln der Kälber. Kommt es hier zu Abweichungen im Verhalten, wird der Tierhalter über das Handy informiert. Vorteil des Sensors im Ohr ist, dass er ohne Nachjustieren das ganze Leben am Tier bleiben und später auch die Brunst erkennen kann.
Nachmittags ging es dann in den Stall. Verteilt auf drei Gruppen wurden weitere Themen rund um die Geburt bearbeitet. Helmut Bamler, Fachlehrer am Staatsgut Almesbach, erklärte das Trockensteher- und Abkalbemanagement im Staatsbetrieb. Durch eine gezielte Fütterung unter Beachtung des DCAB-Wertes ist es in den letzten Jahren gelungen, dass Festliegen nach der Geburt fast keine Rolle mehr spielt. Der Wert beschreibt das Verhältnis der „basenbildenden” Kationen Natrium (Na) und Kalium (K) zu den „säurebildenden” Anionen Chlorid (Cl) und Schwefel (S) im Futter.
Welche Merkmale bei der Gesundheitsbeurteilung beim Kalb eine Rolle spielen, zeigte Dr. Michael Schmaußer praktisch am Kalb im Stall. Es gab praktische Tipps zur Verabreichung von Elektrolyten bei Durchfallerkrankungen, der Fixierung zur Behandlung und dem Erkennen von Symptomen. Wichtig war ihm besonders der stressfreie Umgang mit den Tieren.
Mit Nebelmaschine, Ammoniakteststreifen und Anemometer demonstrierte Dr. Peter Zieger, wie das Stallklima erfasst und beurteilt werden kann. Auch gab es Tipps zum Abtränken. Er empfiehlt nach der intensiven ad-libitum-Phase ein gleitendes Abtränken der Kälber bis zu 90. Lebenstag. Das Staatsgut Almesbach hat damit beste Erfahrungen gemacht. Das und das innovative Aufstallungssystem für Kälber hier zeigen, dass ein Mehr an Tierwohl auch Vorteile in der Arbeitswirtschaft bringen kann.
Für die Teilnehmer war dieser Tag mit Theorie und Praxis aus der Sicht von Tierärzten und Experten aus der Praxis sehr informativ und lehrreich. Das Seminar gab viele neue Impulse für Veränderungen im eigenen Betrieb. Für die Teilnehmenden und den vlf-Weiden ein voller Erfolg, Folgeseminare in Almesbach sind schon angedacht!