vlnr: Kirchenpräsident Eduardo Schindler, Vorstand Kurt Stielper, Diakon Bernd Deyerl, Diakon Markus Weinländer (Bild: Manfred Lindner)

Internationaler Besuch am Glockenturm in Mittelreinbach

Die Glocke in Mittelreinbach rief zum Glockenturmfest und viele Besucher kamen. Den Gottesdienst gestalteten Diakon Bernd Deyerl aus Eschenfelden und erstmals sein katholischer Amtsbruder Diakon Markus Weinländer aus Neukirchen. Diakon Deyerl begrüßte besonders den Kirchenpräsidenten der Kirche am Rio Plata, Herrn Eduardo Schindler, aus Argentinien, der auf Einladung der Evangelischen Landeskirche aktuell in Bayern zu Gast ist. Die musikalische Umrahmung übernahm der Posaunenchor Eschenfelden unter Leitung von Dominik Schwab. „Siehst du wirklich hin Gott?“ fragte Diakon Deyerl bei so viel Leid und Elend in der Welt. „Siehst du uns?“, mit all unseren Zweifeln, Ängsten und Nöten, die es uns schwer machen zu vertrauen. „Ja“ ist die Antwort! Nach Psalm 73 wurden die Fürbitten gemeinsam gesprochen. In der Predigt ging Diakon Weinländer auf Matth. 16 ein. Für wen halten die Menschen Jesus? Zentrum unseres christlichen Glaubens und das Fundament unserer Gemeinschaft ist die Aussage von Petrus, dass er Sohn des lebendigen Gottes ist. Auf diesen Fels ist die Kirche gebaut, die nicht nur aus Steinen und Holzbalken besteht, sondern aus Menschen, die gemeinsam glauben, hoffen und beten. Kirche wird durch ihre Glocken hörbar. Wenn aber niemand mehr die Bedeutung dahinter versteht, wird es zum reinen Hintergrundgeräusch. Kirche entsteht dort, wo Menschen entdecken, dass der Glaube ihnen hilft, ihnen Kraft gibt und den Blick für den Nächsten und für Gott öffnet. Kirche sind wir alle und sie wird Zukunft haben, wenn sie wieder am Küchentisch, in der Arbeit oder am Stammtisch stattfindet. Nach Ende des Gottesdienstes begrüßte der Vorstand der Glockenturmgemeinschaft Kurt Stielper alle Besucher und besonders Herrn Kirchenpräsidenten Schindler. Er informierte über eine laufende Unterschriftenaktion für den Verbleib unseres Diakons Bernd Deyerl als Pfarrer in Eschenfelden/Königstein ab 2028. Anschließend klang der Abend bei kühlen Getränken, Bratwürsten, Kaffee und Kuchen aus.
Vorstand Kurt Stielper mit Diakon Bernd Deyerl und Pfarrer Roland Klein (Bild: Manfred Lindner)

Glockenturmgemeinschaft feiert 40 Jahre Glockenturm im Reinbachtal

Vor 40 Jahren entstand auf Initiative des damaligen Eschenfeldener Pfarrers Hermann Walther ein Glockenturm am Ortsrand von Mittelreinbach. Durch Sach- und Geldspenden sowie tatkräftiger Mithilfe der Dorfbewohner von Gaisheim und Mittelreinbach konnte das Vorhaben Ende 1985 vollendet und die Glocke aus der Passauer Werkstatt der Firma Perner in den Glockenstuhl des neuen Holzturms montiert werden. Ein elektrisches Läutewerk lässt drei Mal am Tag die Glocke durchs Tal klingen. Seit Beginn findet jeweils am zweiten Freitag im Juli am Fuße des Turmes ein ökumenischer Feldgottesdienst statt. Da dieses Jahr zwar Wolken, aber weder Sturm noch Hagel gemeldet waren, versammelten sich erfreulich viele Besucher auch aus umliegenden Ortschaften. Durch den Gottesdienst leiteten Diakon Bernd Deyerl aus Eschenfelden und sein katholischer Amtsbruder Pfarrer Roland Klein aus Neukirchen. Die musikalische Umrahmung übernahm wieder in bewährter Weise der Posaunenchor aus Eschenfelden unter Leitung von Dominik Schwab. Der Predigt von Diakon Bernd Deyerl lag die „Bergpredigt“ nach Lukas 6, 36 zugrunde. Im Dorf gibt es immer Gesprächsstoff. Habt’s schou g’hert? so beginnt manches Gespräch. Es gibt viel zu reden, kritisieren und politisieren und man legt sich oft vorschnell eine Meinung zu recht. In der Bergpredigt hält Jesus uns den Spiegel vor. „Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge siehst du nicht?“. Es ist immer einfacher, die Fehler der Anderen zu kritisieren, als eigene Versäumnisse einzugestehen. Wir sollten uns immer vor Augen halten, dass wer kritisiert nicht über einem anderen, sondern mit ihm auf einer Stufe steht. Jesus bittet uns: Seid barmherzig, wie auch Gott zu euch barmherzig ist. Barmherzigkeit ist die Basis für unser Leben. Alles was wir für uns in Anspruch nehmen, sollte doch auch für andere gelten. Aus Güte leben wir, nicht aus Zwang. Dass wir auch gütig mit anderen sind, das erwartet Jesus von uns als seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern. Gegen Gleichgültigkeit, Gewissenlosigkeit und Ungerechtigkeit muss man seine Stimme erheben und sich einmischen. Nicht Kritik ist als solche unchristlich, sondern vernichtende Kritik. Vorstand Kurt Stielper lud alle Besucher nach dem Gottesdienst zum gemütlichen Beisammensein zu Bratwürsten vom Grill, kühlen Getränken sowie Kaffee und Kuchen ein. Bei Einbruch der Dämmerung zeigte Siegfried Dotzler aus Gaisheim, der seiner Zeit die treibende Kraft des Glockenturmbaues mit war, seinen Super-8-Film über die Entstehung des Glockenturms. Angefangen vom Fällen der gespendeten Bäume, dem Abbinden des Bauholzes, zum Aufstellen des Turms, über den Glockenguss in Passau bis hin zur Glockenweihe spannte er den Bogen der Erinnerung. Manche freudige Bemerkung wie „Kennst den nu?“ oder „Wor ma dou nu jung“ war dabei im Festzelt zu hören.
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